Setz dich gerade hin

Diese Aussage kennt noch die Nachkriegsgeneration – also meine Eltern und enthält einen wichtigen Hinweis unseres Verhaltens gegenüber dem Essen, das als Achtlosigkeit gegenüber dem Essen interpretiert werden kann. Sie kippten nach dem Verweis auf das Schambein mit Folge des Hohlkreuzes. Eine ganzheitliche Betrachtung der Folgen erklärt so manches und ist besonders für Reiter:innen gut zu verstehen.

Der gerade Sitz bedeutet weder Fallen auf das Schambein noch Verfallen in das Hohlkreuz und somit kein Überstrecken der Nacken- bzw. Rückenmuskulatur. Es ist sehr ungesund für die Bandscheiben, im gequetschten Zustand Schläge aushalten zu müssen und wir verlieren auch an Lockerheit in der wichtigsten Bewegungsachse der Hals- und Lendenwirbelsäule.

Der gerade Sitz geht von den Schultern aus. Richten wir uns auf, richten wir uns in den Schultern auf. Wer jetzt nicht weiß, ob er zu vorfallenden Schultern neigt, möge sich mit den Schultern gegen eine Wand lehnen oder – noch besser – auf den Boden legen und mit beiden Schultern gleichmäßig am Boden Kontakt suchen.

Interessanterweise richtet sich das Becken nach den geraden Schultern aus. Auf  Dauer eine gesunde und einfache Übung für Körper und Geist. Warum? Bei geraden Schultern kann unser Zwerchfell besser arbeiten und die Zwischenrippen bei der Sauerstoffversorgung unseres gesamten Organsystems behilflich sein. (Alle Arten von Krankheiten mit einem Sauerstoffmangel gehen dauerhaft mit einem vorn über gebeugten Körper einher und alle Arten von der vorn über gebeugten Haltung mit einem Sauerstoffmangel.)

Aufrichtung hat demnach nicht ausschließlich mit unserer freischwingenden Lendenwirbelsäule zu tun. Da würde uns die einfache Statik eines Stabes völlig reichen.. Wir haben dieses Wunder der Natur damit wir unsere Beine locker bewegen können, um Geschwindigkeiten aufzubauen, zu regulieren, Haken zu schlagen, etc. Und auch wir nutzen wie unsere Pferde unseren Kopf als kurze Balancierstange.

Wer also reitet, darf den aufrechten Sitz im Sattel mit dem Verspannen der Hals- und Lendenwirbelsäule nicht verwechseln. Der Rückenstrecker und Trapezmuskel sind für die Bewegung da und nicht für die Erstarrung. Die Folgen sind fatal, wie wir gleich bei ganzheitlicher Betrachtung erkennen können.

Wir tun es! Spätesten wenn wir Stress oder Angst haben, verfallen wir in alte Muster und sind nicht in der Lage sie bewusst zu durchbrechen oder gar zu steuern. Die Angst entspringt der Vergangenheit, während der Stress akut aus uns selbst kommt. Der Stress ist das akute Symptom, die Angst der chronifizierte Stress. Woher kommt eigentlich Stress. Wird er tatsächlich nur im Kopf produziert?

Oh nein!

Der Rückenstrecker – wie viele andere äußere Muskeln – werden bei Überstreckung von einem Nerv dominant innerviert, der in unserem Körper vor allen Dingen „Alarm“ signalisiert (Sympathikus). Das bedeutet auch, dass der überspannte Rückenstrecker das Reiten im Hohlkreuz Stress in unserem Körperkreislauf erzeugt, unser Gehirn in Alarm versetzt und uns in Kampfbereitschaft bringt (an geballten Fäusten zu erkennen - ich halte mich fest damit ich nicht falle). Nun kann das Bewusstsein nur Dinge verarbeiten, die bekannt sind oder verdaut werden können. Der Rest landet unbemerkt im Unterbewusstsein und erzeugt dort unaufgelöst dauerhaft Ängste, Traumen oder Matrixblockaden (Text zu Matrixblockaden wird in der Aprilausgabe unseres Netzwerkes veröffentlicht).

Was wir allerdings tun können ist unserer Atmung mehr Beachtung schenken. Atme ich tief in den Bauch – was vor allen Dingen dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden kann – nähre ich den Nerv, der für die Entspannung und der Funktion innerer Organe dienlich ist (Vagusnerv). Atme ich in den Brustkorb – was vor allen Dingen dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden kann  – nähre ich den Stressnerv. (Eine Erklärung warum das bei den Geschlechtern ganz unterschiedlich ist, wäre die Gebärfähigkeit der Frau, deren Sympatikus die dominantere Funktion im Becken besitzt, als der Vagusnerv). 

Durch die Art zu atmen lege ich allerdings die Weichen für Stress oder Entspannung.

Schenken wir dem Außen und ihren negativen Inhalte mehr Beachtung als uns selbst kann es natürlich auch zu einem Rebound-Effekt kommen und im Organsystem für Stress sorgen und chronifiziert zu Angst. 

Viel Spaß beim Üben!

Gabi Oppermann

Die Fähigkeit des Loslassens neu entdecken

Das Westernreiten zeichnet sich dadurch aus, dass wir loslassen: uns, unseren Körper, die Zügel, das Pferd, das Lasso.

Und doch fällt uns dieser Schritt zunehmend besonders schwer. Woran liegt das? Haben wir soviel an Körperbewusstsein verloren, dass wir ihm nicht mehr vertrauen können? Oder ist die Ursache an einer ganz anderen Stelle zu finden? Ich glaube "JA"!

Wer nicht loslassen kann, um Dinge geschehen zu lassen hat einen übermäßig aktiven Geist. Je mehr unsere Gedanken uns beherrschen, desto mehr Kontrolle wollen diese haben. Im Zeitalter der Selbstoptimierung entfaltet sich dieses Problem in besonderer Weise und findet dort seinen Nährboden. Wir geben uns nicht mehr ein in den Fluss des Lebens, sondern wollen ihn beherrschen und kontrollieren. Ein sehr erschöpfendes Unterfangen, das sich in ganz vielen vegetativen Störungen bemerkbar macht. 

Kehren wir aber zurück zu dem Thema Westernreiten.

Ein gut ausgebildetes Westernpferd übernimmt ab dem Moment der Richtungs- und Tempovorgabe die Führung. Ein gutes Westernpferd macht zu 80% den Job alleine, der da heißt: in diese Richtung, in diesem Tempo. Unser Pferd weiß selbst, wie es seine vier Beine einzusetzen hat. Aber auch da versuchen wir zu kontrollieren und zu beherrschen, als ob wir wüssten, wie man auf vier Beinen durch die Halle galoppiert.

Als junger Mensch - kaum auf der Welt - versuchen wir uns aufzurichten, um auf zwei Beinen gehen zu lernen. Mit den Jahren werden unsere Bewegungen zu automatisierten Prozessen, die in den Gedächtniszellen der Muskulatur und der Nervenwurzeln gespeichert sind. Wir verlassen uns im Erwachsenenalter darauf, dass diese Fähigkeit uns wie von Zauberhand von "A" nach "B" trägt, mal schnell, mal langsam ohne umzufallen. Wir schenken dieser Fähigkeit keine Beachtung, sondern beschäftigen uns zunehmend mit unseren Gedanken und deren Fähigkeiten. 

Westernreiten aber auch andere Arten, die Beweglichkeit erhalten und trainieren wie z.B. Bogenschießen, Golf, oder Yoga gehören zu den Arten, die uns erlauben in jeder Altersstufe unseren Körper zu kräftigen, zu nähren und ihm eine Aufgabe zukommen zu lassen, die dem Bewusstsein zugeordnet werden kann und die kognitiven Fähigkeiten steigert.

Die Chance des Westernreitens besteht aus der Sicht einer Ayurveda-Medizinerin und Trainerin darin, dass Körper und Geist wieder in Kommunikation zueinander treten und die Energien in beide Richtungen fließen lässt. Energie rein aus dem Geist generiert endet in Anspannung. Energie aus dem Körper generiert endet in Entspannung. Entspannung ist die Fähigkeit des Körpers, sich seiner Fähigkeiten und Kraft bewusst zu sein, und diese gezielt einzusetzen.

Der Geist sendet eine Information aus, die sich darauf beschränkt die Richtung und das Tempo vorzugeben und den Körper machen zu lassen. Die Energie fließt von oben nach unten und stabilisiert unsere Lebenskraft. Wir erzeugen in unserem Geist Leben, das im Körper in Kraft umgesetzt wird.

Zu Ende gedacht bedeutet das für das Westernreiten, dass wir die Rolle der geistigen Energie liefern, die das Pferd in Kraft umsetzt.

Das Kleine, wie im Großen - eine Fibonacci Folge par excellence. Die perfekte Arbeitsteilung - ein evolutionärer Gedanke findet seine Fortsetzung im Westernreiten.

Viel Freude damit!
Gabriele Oppermann


Der Kopf des Westernpferdes - wie tief darf er sein?



Immer wieder stellen mir Reiter dieselben Fragen nach der Tiefe des Kopfes und dem Fallen auf die Vorhand.

Ist das erlaubt, dass das Pferd fast am Boden schnorchelt?
Entzieht sich mein Pferd nicht, wenn ich es ganz raus lasse?
Fällt es nicht auf die Vorhand, wenn es so tief geht?
Darf ich es zulassen, dass es mir die Zügel aus der Hand zieht?

Zieht das Pferd am Zügel, sollten wir uns stets fragen, ob sich das Pferd nicht bemerkbar macht, um uns mitzuteilen, dass es sich gestaut fühlt, für den Moment keine Muskelspannung erträgt oder uns darauf aufmerksam macht, dass ihm die Pause fehlt.

Ganz grundsätzlich wird beim Westernpferd im Schritt der Zügel so lange gelassen, wie es sich das Pferd wünscht, wenn wir von ihm nichts wollen außer geradeaus zu laufen.

Pferde in der Arbeit benötigen unsere Unterstützung sich neu unter dem Reiter auszubalancieren. Sie wissen mit der Zeit allerdings selbst wohin die Reise geht und was sie tun müssen, damit es ihnen mit uns gut geht.

Hier nun die häufigsten Fragen, die mir gestellt werden.....

Wie tief kommt ein Pferd im Laufen mit seinem Kopf?
Das ist sehr Gebäude spezifisch und hängt stark von der Winkelungen der Schulter, verbunden mit dem Hals, Kopf und Rücken ab. So eine kleine Hausnummer ist der Hinweis, dass kurze Pferde weniger in die Tiefe finden als längere Pferde. Kurze Pferde haben meist viel Spannung im Rücken und kurze, stämmige Hälse zum Ausbalancieren.

Fällt mein Westernpferd auf die Vorhand, wenn es die Nase tief nimmt?
Auch hier spielt die Anatomie die entscheidende Rolle. Passen Schulter und Kruppe zusammen, fällt es nicht auf die Vorhand- auch nicht bei extrem tiefem Kopf. Das Gebäude von Westernpferderassen ist durch eine steile Schulter und einer steilen Kruppe geprägt. Besitzt das Pferd allerdings eine steile Schulter, aber flache Kruppe und ist der Hals tief angesetzt hat dieses Pferd grundsätzlich sein Gewicht auf der Vorhand. Diese Pferde haben es ein Leben lang schwer aus dem Boden zu finden und es ist fast unmöglich dieses Pferd auf die Hinterhand zu bringen.

Wann findet mein Pferd die maximale Tiefe?
In der Regel zeigt ihnen das Bit - das bei uns nach 2 Jahren Grundausbildung eines Pferdes eingesetzt wird - den Weg in die Tiefe. Je nach Höhe des "Port" oder Zungenfreiheit wird das Pferd die für sich komfortabelste Position finden. Dabei geht es ihm nicht um den Kopf, sondern um den entspannten Rücken und der damit verbundenen, stark abgeschlagenen Kruppe. Allerdings ist das Finden des richtigen Bits, passend zur Anatomie des Pferdes eine Herausforderung und bedarf unbedingtes Fachwissen darüber.

Ab wann sollte das Bit zum Einsatz kommen?
Bei uns werden Pferde mit Bits ausgestattet, wenn sie keine Probleme mehr besitzen ihr Gleichgewicht unter dem Reiter zu finden und sie in der Lage sind dem Reiter ohne Probleme den Rücken zu geben im Schritt und im Trab. Ist das Pferd nicht ausbalanciert oder besitzt noch keine Fähigkeit den Rücken zu dehnen oder fehlt ihm einfach noch die Kraft - was wie immer auch mit dem Thema des Loslassens und dem Bewusstsein einhergeht - verzichte ich auf das Bit und trainiere das Pferd in der Rückendehnung mit und ohne entsprechendem Equipement.

Sollte das Bit von einem Profi eingestellt werden?
Oh ja, die wenigsten Reiter kennen sich mit der Anatomie ihres Pferdes aus. Sie kennen auch nicht den Funktionsmechanismus vom Bit und vielen ist auch nicht bewusst, dass der Zügel die Verlängerung des Reiterarms darstellt und die Finger die Verlängerung des Bits. Ein erfahrener Trainer wird sich die Statur des Pferdes ansehen, eine Bit-Größe empfehlen und sie - unter der Berücksichtigung der Arm- und Fingeraktion des Reiters entsprechend korrekt einstellen in der Gesamtlänge und Länge der Kinnkette.

Hängt der Einsatz vom Bit mit der Ausbildungsstufe des Reiters zusammen?
Jein! Das Bit hängt von der Ausbildungsstufe des Pferdes ab. Ist es das Bit gewöhnt, sollte man nur zur Korrektur einen Wechsel vornehmen. Bei allen Pferden, die durch meine Hände gegangen sind war eine totale Entspannung der Tiere nach erstmaligem Einsatz vom Bit festzustellen. Bei Reitern mit sehr unruhigen Händen, die ihre Position innerhalb weniger Minuten um Länge verändern und somit das Pferd stark verwirren, bzw. aus dem Gleichgewicht bringen sollten grundsätzlich erst einmal lernen ihre Hände zu kontrollieren. Unter dem Strich ist es in solchen Situationen egal, ob man gebisslos oder mit Gebiss reitet. Die Folgen und ihre Probleme liegen woanders als beim Schmerz - der im Moment der Unbeherrschtheit - verursacht wird. Schmerz wird bei Geruder immer zugeführt, ob durch das Reiten auf der Nase oder im Maul.

Welche Möglichkeiten habe ich bei unkontrollierten Händen?
Wie erwähnt liegt die Ursache in 80% der Fälle in der Unbeherrschtheit des menschlichen Geistes. Eine gute Übung ist, sich auf seinen Atem zu konzentrieren und nicht auf seine Gedanken. In den anderen 20% hilft: nicht auf das Pferd zu schauen, sondern auf die Hände. Indem ich sie beobachte wird mir bewusst, was für ein Geruder ich veranstalte. Im übrigen eine Methode, die ich in meiner Praxis bei diversen Erkrankungen des Nervensystems anwende, wenn Tremor im Spiel ist. Mit großem Erfolg!

Der Einsatz von Sperrriemen - wann ist er notwendig?
Viele Reiter schauen beim Sperrriemen nur auf den Schaden, den er beim Pferd anrichten kann. Der Schaden erfolgt aber durch die Reiterhand und nicht durch den Sperrriemen. Ich setze den Sperrriemen immer dann ein, wenn unerfahrene Reiter ihre Hände noch nicht unter Kontrolle haben, ins Rudern oder Ziehen geraten. In diesem Fall schützt der Sperrriemen das empfindliche Pferdemaul vor den Reiterhänden. Hoch genug angesetzt, behindert er auch nicht die Atmung des Pferdes. Beherrscht der Reiter seinen Geist und seine Hände, entferne ich den Sperrriemen wieder.

Erkenne ich, ob sich mein Pferd mit seiner Ausrüstung sicher fühlt?
Ja, wenn man sein Pferd kennt, teilt es einem mit wie sicher oder unsicher es sich fühlt. Auf diese Weise habe ich von den Pferden sehr viel erfahren dürfen. Habe ich Sperrriemen, Tie-Down oder Fork zu früh entfernt, fehlte den Tieren ganz oft die Sicherheit, die ihnen durch das Hilfsmittel geboten wurde, erkennbar an einer tiefen Unruhe und Konzentrationsschwierigkeit während der Arbeit.

Nun wünsche ich allen Westernreitern und Freunde des Pferdes viel Spaß und Inspiration, um die Themen des Westernreitens besser zu verstehen.

Schaut auch gerne mal bei unserem YouTube Kanal vorbei, der sich momentan - frisch geschlüpft - mit den ersten Videos präsentiert: HBWR Westernreiten und Training

Gabriele Oppermann



 

Das Trauma - Der Unterschied

Das Trauma als Verletzung muss für Vieles herhalten. Klar definiert ist die Verletzung von Gewebe in Form von Rissen, Brüchen, Überdehnungen, Kompressionen, usw. und gehört zur Medizin.

Nehmen wir das Trauma aus der Psychologie, geht es um seelische Verletzungen und schon wieder haben wir die Trennung von Körper, Geist und Seele.

Aufgrund meiner Praxiserfahrung als ganzheitlich arbeitende Heilpraktikerin, die diese Trennung zwischen Körper, Geist und Seele nicht macht, Materie nicht von Energie trennt und auch keine Trennung vollzieht zwischen gesund und krank, tut sich mit diesen Begriffswahlen und ihrer Zuordnung sehr schwer.

Darum ein Beispiel aus meinem Praxisalltag....

Jemand fällt eine Steintreppe über mehrere Meter herunter und bricht sich dabei den Fuß. Die Steintreppe befindet sich im eigenen Haus und verbindet Wohn- mit Schlafzimmer oder Küche mit Bad. Das Handy liegt auf dem Esstisch und die Person robbt sich auf allen Vieren zu dem Apparat, um Hilfe zu rufen. Meist spielt der Verunfallte das Geschehen herunter, was aber an dem hohen Adrenalinspiegel liegt, hervorgerufen durch den Sturz.

Nach einer Operation und Aufenthalt in einer REHA Klinik hat der oder die Betroffene noch leichte Druckschmerzen am Gelenk beim Auftreten, aber Treppen steigen geht schon wieder ganz gut. Vielleicht denkt der oder die Betroffene darüber nach, was die Ursache sein könnte, die den Sturz ausgelöst hat, z.B. weil man in Strümpfen schnell die Treppe hinunter wollte, die Kurve nicht bekommen hat oder einfach die Stufe mangels Achtsamkeit verfehlt hat. Für kurze Zeit wird er oder sie etwas achtsamer mit dem Thema Treppe umgehen bis die Gewohnheiten wieder überhand nehmen und wie ein Eichhörnchen im Haus herumgeturnt wird.

Dasselbe Ergebnis und Folgegeschichte, aber eben vom Pferd gefallen mit der Folge der Entstehung eines psychischen Traumas. Was ist jetzt der Unterschied zwischen den beiden Ereignissen und wie kann es sein dass aus dem zweiten Ereignis ein Trauma entstehen konnte?

Die entscheidende Rolle beim Entstehen eines Traumas ist unser Geist, nicht unser Verstand.

Unser Verstand schaltet sich bei der Treppe ein und sagt uns, dass wir die Treppe brauchen. Und weil wir sie brauchen, erkennen wir ihren Nutzen. Es wird nicht zu einer emotionalen Schieflage kommen, die ihren Ursprung im Geist hat.

In Reiten, Fahrradfahren oder sonstigen Amüsements, die wir uns gönnen besteht keine Überlebens wichtige Notwendigkeit, sodass der Verstand sich zwingend mit dem Thema auseinandersetzen müsste. Sobald sich der Verstand zurückzieht und signalisiert: "Dazu habe ich jetzt keine Meinung!", schaltet sich sofort der Geist ein und fängt an uns zu beherrschen mit der Vielfalt seiner Emotionen, die er im Gepäck so mit sich trägt. Das psychische Trauma entwickelt sich nach dem Ereignis, nicht während des Ereignis und je nach Gewichtung und Be-Deutung des Geistes in seiner Entfaltung sehr stark.

Natürlich ist es ganz so einfach nicht mit dem Verstand, dem Geist unserer Seele und dem Körper. Im Ayurveda ist die Seele der Herrscher des Hauses in dem wir wohnen. Sie stellt ein sehr stabiles Konstrukt dar, sie überlebt alle und nimmt ihre Erfahrungen mit auf ihre Reise der Unendlichkeit. Überlassen wir dem Geist die Herrschaft wird er beginnen uns und unserer Seele auf der Nase herumzutanzen. Er beginnt zu kontrollieren, zu werten und zu richten, usw.

Die ersten Folgen der Übermacht unseres Geistes erkenne ich als Therapeut anhand von Störungen (Anpassung, Zwang, Angst, usw.), dem übermäßigen reagieren auf Geschehnisse, dem Rückzug, dem beleidigt sein.

In diesem Fall wird die Treppe kein Trauma auslösen, aber der Sturz vom Pferd, Fahrrad, usw.

Das Mäandern zwischen Geist und Verstand macht uns dauerhaft das Leben zur Hölle. Unsere Seele bleibt weitestgehend von den Ereignissen im Gehirn verschont, die friedlich schlummernd in der Wiege unseres Herzens wohnt. Beginnt sie zu schmerzen finden wir den Auslöser nicht in einem Ereignis im Außen, sondern im Schmerz, den wir uns selbst zugefügt haben durch einen umtriebigen Geist, der die Rolle des Entscheiders übernimmt und uns selektiv mit seiner Wertigkeit, Bewertungen und Urteilen klein hält, klein macht und uns öffnet für Verletzungen und Erkrankungen jeglicher Art.

Diese Erkenntnis stammt im Übrigen nicht von mir, sondern ist in fast allen mir bekannten asiatischen Betrachtungsweisen verwurzelt in denen keine Trennung von Körper, Geist, Verstand und Seele bis zum heutigen Tag gemacht wurde - egal ob Zen, Ayurveda, Buddhismus, usw.:

Zügle deinen Geist und du bist ein glücklicher und gesunder Mensch!

Wer sich sich etwas mehr mit Ayurveda und seine Behandlungsmethoden beschäftigen möchte, dem empfehle ich meinen Artikel zum Thema "Selbstheilung im Ayurveda beginnt im Kopf" erschienen im Netzwerk Ganzheitliche Gesundheit.

Viel Spaß beim Nachdenken

Gabriele Oppermann

HBWR Westernreiten & Training goes YouTube

Im Westernreiten funktionieren die Dinge einfach anders  Immer wieder werden mir von Reiter:innen dieselben Fragen gestellt, z.B. zum Thema Gewichtshilfen: "Wohin verlagere ich mein Gewicht auf dem Zirkel?" oder "Wohin verlagere ich mein Gewicht beim Rückwärtsrichten". Noch komplexer wird es, wenn es um den Travers, Sidepass, Schulterherein oder fliegenden Wechsel geht. Geht es dann auch um den Rollback oder Spin müssen zuvor die Hausaufgaben gemacht sein. Im Westernreiten funktionieren die Hilfen komplett anders, als bei anderen Reitweisen. Denn - so der große Unterschied - lassen wir nicht nur die Zügel los, sondern reiten am Ende aller Ausbildungsstufen - einhändig. 
Das American Quarterhorse ist über zwei Jahrhunderte dafür gezüchtet worden seinen Job zu machen und dabei Spaß zu haben. Hätten sie keine Freude an der Arbeit gehabt, wären die Ranger womöglich verhungert, als es noch keine Autos gab. 
Dieses Pferd hat das Wissen, welches uns fehlt und wir können viel von ihnen lernen.

Unser YouTube Kanal
Hier zunächst der Link zu unserem Kanal, der mit seinen ersten Videos ab September startet: 

In kleinen Sequenzen von ca. 3 Minuten werden wir auf sehr viele Themen eingehen, die so manch einen plagen. Ganz oft ist es auch so, dass Reiter:innen gar nicht bewusst ist, dass zwar die Technik stimmt, aber ihre Körperausrichtung falsch ist.

Wir wollen einen Kanal schaffen, der es den Reitern leichter machen soll, Körper und Technik besser miteinander zu kombinieren. Manchmal sind die Fehler so klein, dass eine Mini-Korrektur ausreicht.

Über mehr Selbstkontrolle zu einem höheren Bewusstsein

Reiter:
  • Aufsitzen für das Pferd leicht gemacht - was für Missverständnisse auftreten können
  • Wozu sind die Zügel da
  • Besseren Kontakt zum Pferd über die Zügel  - was tun Arme und Finger
  • Die wichtigste Information für das Pferd ist mein Sitz
  • Korrekte Gewichtshilfe - wie kann ich mich selbst korrigieren
  • Wie finde ich einen besseren Halt auf dem Pferd
  • Wie sieht eine kraftsparende Schenkelhilfe aus
Pferd:
  • Welche Informationen sind für mein Pferd wichtig
  • In welcher Reihenfolge sollen die Informationen an das Pferd gegeben werden
  • Das Anreiten - Hier passieren die meisten Fehler
  • Das Rückwärtsrichten - Bitte nicht ziehen
  • Die Schulterkontrolle - Wichtigste Kontrolle eines Westernpferdes
Golfen & Reiten im Vergleich
Hier zeigen wir euch die Missgeschicke mit dem Pferd, die einem passieren, wenn wir die Möglichkeit haben, den Fehler beim Pferd zu suchen. Wir zeigen euch, wie wichtig verschiedene Stufen des Lernens funktionieren und wie ihr sie besser umgesetzt bekommt mittels eines Balls und einem Schläger. 

Gerne dürft ihr uns Anregungen schicken. Wir werden eure Fragen ernst nehmen und sie behandeln.
Ich freue mich schon, wenn es heißt:

"HBWR goes YouTube"

eure
Gabriele Oppermann

 

Friede, Freude, Eierkuchen

 

So wird die Reiterwelt auf Hochglanzfotos gerne dargestellt. Der Alltag sieht jedoch ganz anders aus und es lohnt sich darauf einmal einen Blick zu werfen. 

Immer wieder begegnen mir folgende Fragen wie:“ Jetzt hat alles so schön funktioniert bis gestern! Und heute geht gar nichts mehr!"

Zunächst einmal die gute Nachricht: Das geht allen so, auch den Trainern!

Es gibt einfach Tage in der Beziehung zwischen Menschen und Pferde, an denen man so ziemlich alles in Frage stellt. Man ist genervt, verunsichert und kreiselt mit den Gedanken auf der Suche nach dem Fehler. Man beginnt zu werten und bald ist die Schuld geklärt.

Mit der Suche nach der Schuld löst man keine Probleme, auch nicht, indem man Dinge bewertet!

 Würden wir aufhören zu bewerten, hätte es in unserem Gehirn Platz für eine reale Lösungsfindung.

Manchmal reicht es völlig aus, den Tag, Tag sein zu lassen und ihn in der Ablage 100 verschwinden zu lassen.

Macht man sich trotzdem Gedanken, reicht es meist sich mit einem erfahrenen Trainer auszutauschen, der vermutlich mit einem breiten Grinsen kein Problem sieht, sondern einen ganz normalen Alltagswahnsinn.

Wie oft bin ich gut vorbereitet auf das Turnier gefahren und wusste schon beim Abladen, dass der Kamerad, auf den es ankam, keinerlei Bereitschaft besaß, mich in meinen Ideen zu unterstützen. Was dann das Kartenhaus zum Einstürzen brachte war auch nach Jahren der Erfahrung in den seltensten Fällen nachvollziehbar gewesen. An meiner Gelassenheit war es jedenfalls nicht gelegen, womit wir auch schon beim Problem sind, das viele Freizeitreiter haben. Es fehlt an Gelassenheit!

Wir kommen in den Stall, hatten zuvor schon irgendeine schlechte Energie abbekommen, sind gestresst, haben einen Eisprung oder Pflaumensturz, sind nicht in der Lage bis zum Bauchnabel durchzuatmen, die Halle ist voll, mein Pferd ist unkonzentriert, hört nicht zu und eiert durch die Gegend.

Ganz ehrlich? Seid froh, dass es nur eiert und euch nicht im hohen Bogen auf den harten Boden der Tatsachen katapultiert.

Was tatsächlich hilft sind ein paar Entspannungsübungen auf dem Pferd. Als nächstes überprüfe ich, ob ich richtig mit beiden Sitzbeinhöckern im Sattel sitze und überlege mir den nächsten Schritt. Vielleicht ist mein nächster Schritt einem Spektakel, das sich mir bietet, lieber zuzuschauen. Es kann auch sehr unterhaltsam sein anderen bei ihrem Kampf, wogegen auch immer zuzuschauen, sich zu reflektieren und zu entscheiden, dass man das so nicht möchte.

Sind keine Unsicherheiten im Spiel und man reiht sich in diesen Karussell-Wirbel ein, muss man sich der Richtung und dem Tempo anpassen. Eine Regel, die man lernt, wenn 30 Reiter sich vor dem Turnier auf einem Abreitplatz auf ihren Einsatz vorbreiten.

Ist man allein auf weiter Flur und es funktioniert trotzdem nicht ist Kampf der schlechteste Ratgeber. Als Menschlein macht es keinen Sinn sich gegen 600kg Muskel und Willenskraft dagegenzustemmen. Viel besser ist es seine Ziele für den Tag neu zu definieren und darauf zu achten, dass man wieder in das Fließen kommt und Freude dafür empfindet, weil das Leben ein Geschenk sein kann.

Darin sehe ich das eigentliche Problem!

Vom Alltag ausgebremst, völlig blockiert ohne Eigenreflektion geht es auf das Pferd und glaubt, dass man als „Kaspar Hauser“ seinem Pferd irgendwie die Freude am Arbeiten vermitteln kann, die man selbst nicht erfährt. Und weil wir alle nur Lebewesen sind, verhält sich ein Pferd eben auch nicht wie ein Fahrrad.

In den seltensten Fällen liegt das Problem in der Technik. In den meisten Fällen liegt das Problem in mangelnder Eigenreflektion und Empathie, was grundsätzlich ein zögerliches, unsicheres Handeln nach sich zieht.

Für alles andere gibt es Lösungen. Und manch einer würde sich wundern, wie einfach die Lösungen oft sind. Um den Knoten zum Platzen zu bekommen, reicht es sehr oft aus, einen Schritt zurückzutreten, tief zu atmen und zu lächeln.

Ein ernstgemeintes Lächeln sorgt dafür, dass wir uns entspannen und sich innere Blockaden lösen.


Der Rückenwechsler

 

Ich fliege dann mal den Wechsel rücklinks...;-(((

Es ist schon interessant, an welche Pferde man sich besonders gut erinnern kann. So auch an einen Appaloosa namens Mister A (Name wurde geändert)….

Es ist gefühlte 100 Jahre her, als mich eine sehr nette, unerfahrene Reiterin anrief und mich fragte, ob ich noch Platz für ein Beritt-Pferd hätte. Sie hätte etwas Probleme beim Galoppieren. Und ins Gelände würde sie sich auch nicht trauen, weil ihr Pferd sofort abginge wie Schmid´s Katze, sobald sie galoppieren wolle.

Wir vereinbarten einen Termin XY der Anlieferung mit einem Aufenthalt von 4 Monaten……so der Plan 😉

Ich hoffe jetzt nicht, dass ich all die Geschichten durcheinander wirble. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir an dem besagten Tag mehrere Stunden auf den Transport warteten. Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich ging wieder an die Arbeit. War ja klar, dass in dem Moment, als ich im Sattel saß, unsere Stallhupe Alarm schlug (Mädelshaufen). Also ich wieder runter vom Pferd.

Sonja war dem Transport schon entgegengesprungen. Ich hinterher!

Als ich die nette Dame bat ihr Pferd auszuladen, gestand sie mir, dass sie sich nicht traute.

Na, das fing ja schon gut an!

Sonja und ich schauten uns vielversprechend an. Allgemein in der Szene sprach man immer gerne von „äppiläppi aber happy“. Und der Appi-Hengst einer sehr bekannten Trainerin war auch nur unter dem Namen Spinner bekannt. Er landete dann schlussendlich bei der Familie W. auf der Schwäbischen Alb, wo ich ihn Jahre später wieder traf.

Lange Rede kurzer Sinn, stieg ich in die Bütt während Sonja die Klappe öffnete. Bis dahin war alles kein Thema gewesen. Vor der Stallgasse haute er gleich mal die Bremse rein und wollte keinen Meter weiter. Er zog das - bis dahin für uns alltägliche Programm - ab mit vorne hoch und hinten hoch. Irgendwann stand er dann endlich in seiner Box. Seine Besitzerin druckste etwas herum bis es aus ihr heraus platzte. Sie fände es toll, wenn er nicht nur super galoppieren würde, sondern ich ihm auch gleich den Wechsel beibringen könnte......ahhhhhja!

Die Sache hatte nur einen Haken. Ich hatte noch nie so ein kuhhessig stehendes Pferd  gesehen. Vorne beide Hufe nach innen gedreht, über die er ständig stolperte.

Wir hatten großes Glück, dass wir Beritt-Pferde immer erst einmal in unserer eigenen Herde beobachten konnten. Hilal nahm seine Aufgabe immer sehr ernst und betätigte sich wie immer sehr zuverlässig als Platzanweiser während seine Damenwelt auf eine erfrischende Abwechslung des Tagesablaufs gespannt warteten. Und so kam es, dass Mister A sich zunächst in einem gebührenden Abstand um die Herde bewegen durfte. Unsere Koppel war ein langer Schlauch mit Heuraufe in der Mitte. Sie war lang und bot jede Menge Raum für Speeds.

Sonja und ich saßen bei bestem Sonnenschein auf unserem eigens dafür positionierten Baumstamm und verfolgten das Schauspiel.

Plötzlich galoppierte Mister A wie von der Tarantel gestochen los, einmal quer durch den Koppelschlauch bis er über seine eigenen Gräten stolperte und es ihn auf die Seite schmiss, er rollt einmal komlett über den ganzen Rücken, stand auf und galoppierte in die andere Richtung weiter. Ich weiß jetzt nicht mehr, wer von uns beiden welchen Satz vom Stapel gelassen hat – vielleicht wird das aber Sonja kommentieren wollen. Eine von uns kommentierte das Spektakel sehr trocken mit: “Ohhh…..schau mal der kann ja wechseln!“ Während die andere ganz trocken antwortete: “Ohhh…..schau mal über den Rücken!“

Großes Gelächter folgte!!!

Unser erster gemeinsamer Galopp glich einem Himmelfahrtskommando. Bis wir aber dort angekommen waren, waren meine Hände blasig und blutig geschunden gewesen.

Bei unserem ersten Versuch des einfachen Wechsels, ging es zunächst nur darum ihm klar zu machen, dass man nicht unbedingt über den Rücken wechseln musste. Am Mittelpunkt angekommen zog es ihm  alle vier Beine weg. Ich stand über einem liegenden Pferd, das keine Anstalten machte aufzustehen. Langsam korch die Panik in mir hoch, doch unser Schätzchen nutzte einfach den Moment um ein kleines Päuschen am Boden einzulegen.

Wir schafften ihn tatsächlich - den fliegenden Wechsel. Und da seine Reiterin ihn selbst nicht nachreiten konnte, lernte er von mir auf Stimme zu wechseln.

Als er vom Hof fuhr war ich schon etwas traurig gewesen!

Ich für mich habe gelernt, dass ein Pferd lernen kann alles umzusetzen, wenn es Vertrauen zu seinem Reiter hat, sein Feuer und freier Geist erhalten bleibt. Der Weg dorthin ist nicht immer von Rosen gebettet, aber stets möglich!

Heute bereite ich keine Pferde mehr außer meine eigenen!

Aber mein Wissen aus den 30 Jahren in der Ausbildung von Reiter und Pferd werde ich gerne an diejenigen weiter vermitteln, die das lernen möchten.

Setz dich gerade hin

Diese Aussage kennt noch die Nachkriegsgeneration – also meine Eltern und enthält einen wichtigen Hinweis unseres Verhaltens gegenüber dem E...