Montag, 27. Juli 2015

Intelligenter Umgang mit dem Pferd

Ich habe keine Ahnung, wie viel Freizeitreiter es gibt. Aber es gibt zu viele, mit keinem oder wenig Wissen über Pferde. Sie haben es so lange nicht nötig sich Wissen an zueignen, bis sie vor einem Problem stehen und dann muss ganz schnell ein Trainer her.

Nach welchen Kriterien Trainer ausgesucht werden, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nur ganz sicher, dass die Trainer in der Regel, nicht nach ihren Erfahrungen ausgesucht werden, sondern nach einem Versprechen, das in der zweiten oder dritten Phase gar nicht gehalten werden kann.

Im Vordergrund steht für mich stets die Gesunderhaltung des Pferdes, keine Effekte. Die Effekte sind Modeerscheinungen. Sie sind all die Jahre gekommen und wieder verschwunden, weil irgendjemand eine neue allumfassende Idee auf den Markt geschmissen hat, die nur bei genauer Betrachtung tatsächlich mit dem Wohlergehen des Pferdes einherging.

Ich persönlich finde, dass diese gesammelten Werke, unnützer Tätigkeiten und Pferdeartikel allmählich wieder verschwinden sollten, da sie meistens nur den Müllberg vergrößern, der irgendwann einmal zu einer Bedrohung für uns Menschen werden wird und Zeit raubt, die wir vielleicht auch in andere Dinge investieren könnten.

Fangen wir mit den Taten an. Ich brauche nicht mein Pferd aus dem Stall ziehen, wenn der Stallbesuch eigentlich einem Eventcharakter gleich kommt. Das Kümmern um das Pferd, sollte auf das Bedürfnis des Pferdes abgestimmt sein und man sollte sich in dieser Zeit auch auf das Pferd konzentrieren, sonst könnte man es theoretisch auch einfach im Stall stehen lassen.

Ein Pferd im Offenstall mit ausreichend Nahrung und Artgenossen, benötigt uns eigentlich gar nicht. Das Reiten und der Umgang mit dem Pferd, hat - wie schon so oft erwähnt - etwas mit unserem Bedürfnis zu tun.

Mit einem Pferd spazieren zu gehen, das im Offenstall steht, macht nur dann Sinn, wenn man es grasen lässt (wenn es zu dünn ist) oder wenn wir ihm die ganzen Furchteinlösenden Dinge zeigen wollen, die einem so begegnen können. Alles andere hat wieder mit uns zu tun, nicht mit dem Pferd.

Die Arbeit am Boden sollte sich darauf konzentrieren, das Pferd zu korrigieren oder es auf den Reiter vorzubereiten. Eine Korrektur dauert in der Regel 10 min ca 5x angewendet, dann ist aber auch gut. Stundenlanges korrigieren sorgt dafür, dass eine neue Korrektur von Nöten sein wird, entstanden aus der zu langen Fehlbelastung der vorausgegangenen Korrektur.

Viel weniger Zeit wird dafür verwendet zu schauen, ob die Ausrüstung richtig angepasst ist. Die Frage nach dem "nichtpassenden" Sattel, kommt vor der Frage "Habe ich den Gurt richtig verschnallt", "bildet die Sattelunterlage keine Falten". Aus Angst, dass der Sattel rutscht, schnüren wir dem Pferd die Lunge zusammen - sein wichtigstes Organ.

Letztens bekam ich ein Pferd vorgeführt, dass am Gurtverlauf ein Hämatom bekommen hatte. Der Reiter hielt das Hämatom für eine Reaktion auf einen Stich.

Reiter bohren ihre Fußspitzen beim Aufsteigen in die Rippen der Pferde. Bleibt es irgendwann nicht mehr stehen, wird das Pferd dafür verantwortlich gemacht.

Das langsame und vorsichtige Aufsteigen, macht die Pferd kirre. Sie müssen viel zu lange versuchen das Gleichgewicht zu halten. Wer einen jungen, noch rohen Araber bestiegen, hat, kennt die Reaktion.

Statt auf diese Dinge zu achten, wird geschaut, wie schön das Pferd den Kopf trägt.

Jean Claude Dysli sagte einmal treffend auf einer Messe:"Die Position des Pferdekopfes ist eine Modeerscheinung, die sich ständig ändert. Die Korrektur der Kopfposition ist eine rein kosmetische"....sehr schön beschrieben.

Egal wohin ich schaue, die Pferde werden fast nur noch unter Dauerspannung geritten, egal ob mit Wassertrense, blanker Kandare, Knotenhalfter. Ich würde mich mal gerne auf so ein überspanntes Pferd setzen und schauen, ob es überhaupt noch in der Lage ist, Schub zu entwickeln.

Dann sehe ich wieder Pferde, die mit weggedrücktem Rücken auf der Vorhand latschen oder die, die auf der Vorhand latschen und auf dem Gebiss rumlümmeln. All das ist ein Produkt unserer modernen Zeit, Hauptsache der Kopf ist in der gewünschten und genormten Position - unserem Zeitgeist entsprechend.

Intelligenter Umgang bedeutet für mich auch, zu schauen, wen ich vor mir habe, kurze Wege mit viel Effizienz sind wichtig für das Pferd, damit es nicht zu früh oder sogar gar nicht auf dem Schlachthof landet.

Jedes Pferd ist anders und jedes Pferd hat das Recht dazu, von uns Willkommen geheißen zu werden. Das ist schon mal die simpelste Aufgabe von allen. Jedes Lebewesen ist einzigartig und muss als solches wahrgenommen werden. Jedes Lebewesen sendet Signale aus, um sich verständlich zu machen und wir müssen lernen sie zu verstehen, denn wenn wir sie verstehen, finden wir auch Lösungen.

Signale, die heute unbedeutend erscheinen, können morgen zu einem riesigen Ballon werden, der einfach explodiert.

Jemand, der nicht die Bereitschaft zeigt, etwas zu verstehen, hat nicht nur seinem Autopiloten die Regie überlassen, er kann auch keine Lösung anbieten, die dem Signalgeber gerecht wird. Es wird nur eine Lösung angeboten, die den äußeren Makel beseitigt und eine kaschierende Funktion übernimmt.

Ich mache das an einem Beispiel fest: Ein Pferd will beim Aufsteigen nicht mehr stehen bleiben :-))
Anstatt zu überprüfen, ob ich einen Fehler mache, wird dem Pferd gedroht. Man bringt es in eine ungünstige Position, die da heißt "Mach dich für mich klein". "Ich weiß zwar nicht, was du von mir willst, aber ich will jetzt da rauf und zwar sofort".

Wir haben vergessen, dass das mal alles ganz gut lief, wie so Vieles , was wir vergessen mit den Jahren der Routine.

Routine ist die Faulheit pur in unseren Köpfen. Wir benötigen sie für den Alltag. Beim Pferd sind jedoch wachsame, intelligente Lösungen gefragt. Jede Lösung muss stets überdacht und korrigiert werden - in unserem Gehirn- damit wir anderen Lebewesen weder physisch noch psychisch Schaden zufügen.

Das ist das Mindeste, was ich von einem Trainer erwarte. Egal, ob er Reitlehrer, Golflehrer, Segellehrer oder Lehrer an der Schule ist.

Das Leben erleben wir in 3D, gehen aber gerne eindimensionalen Wegen nach. Das ist weder intelligent, noch schafft es eine vernünftige Lösung eines Problems, wobei unreflektierte Lösungen und Probleme meist nicht auf derselben Ebene zu finden sind.




Mittwoch, 22. Juli 2015

Materia Medica Viva

Ich habe den folgenden Blog nach einem Buchtitel benannt, dessen Verfasser zu "DEM" Meister der klassischen Homöopathie gehört.

Gemeinsam mit anderen bedeutenden Wissenschaftler hat er eine Enzyklopädie der Homöopathie verfasst, deren Reichweite bis tief in das Innerste unseres Körpers und des Geistes reicht.

Es ist nichts für einfache Gemüter, denn das Werk beinhaltet knapp tausend Seiten, relativ klein geschrieben. Die behandelten Mittel - in das Deutsche übersetzt - gehen leider nur bis zum Buchstaben "E".

Nichts desto Trotz bekommt man als angehender Heilpraktiker mit diesem Werk einen Schatz an Wissen an die Seite, der alles Bisherige sprengt.

Als ich anfing mit Pferden zu arbeiten, stellte ich mit der Zeit fest, dass Pferde irgendwann mit ihrem "Fassungsvermögen" an ihre Grenzen stoßen. Hier ein paar Beispiele - ich fange mal ganz harmlos an:

  • Ein S-Springpferd, sprang im Training immer ganz brav über die Hindernisse. Auf dem Turnier verweigerte es plötzlich alle Sprünge. Für dieses Pferd gab es keine Alternative, denn der Besitzer wollte sie nicht. Also musste ich alles geben. Das erste Problem war die Höhe des Hindernisses. Auf dem Turnier waren sie höher angesetzt und das Pferd hatte wohl Schwierigkeiten beim Langmachen der Hinterhand vor dem Hindernis. Ein Osteopath schaute sich das Ganze an und fand auch in der Tat einige Blockaden. Danach gab es für die Verweigerung keinen ersichtlichen Grund mehr. Sie war aber immer noch präsent. Ich arbeitete mit dem Pferd 2x. Es war willig, freundlich und absolut leistungsorientiert. Auf der Ebene gab es nichts zu tun. Das Thema hatte sich jedoch immer noch nicht geändert. Irgendetwas hatte sich in seinem Kopf manifestiert: Turnier, Stress, Verspannung, Schmerz...??? Wie will man das trainieren??? Ich verabreichte ihm eine Gabe homöopathischer Mittel. Kurz darauf lief er, auch im Training noch lockerer. Dann bekam er ein zweites Mittel - Antistressmittel. Leistungspferde wollen nicht verlieren. Sie wollen alles geben, das setzt sie unter Druck und sie machen Fehler, die sie ganz schlecht verarbeiten. Zum Schluss bekam er dann noch etwas für die Muskeltätigkeit und der Bub konnte erfolgreich gestartet werden, ohne Probleme.

  • Zu mir kam ein Araber. Er war sehr misstrauisch gegen alles und jeden. es gab überall Probleme: Beim Aufhalftern, Satteln ging gar nicht, etc. Damit er Vertrauen zu mir bekam, kniete ich jeden Tag für 30 min neben ihm mit dem Futtereimer in der Hand, bevor er das Halfter zu Gesicht bekam. Irgendwann waren wir soweit, dass ich ihm den Longiergurt über den Rücken legen konnte, schließen ging gar nicht. Wir gaben ihm ein Mittel für seine Lunge, denn der Gurt drückte direkt auf die Lunge. Bei Arabern ist die Lunge sehr empfindlich. Nun konnte er den Gurt ertragen. Dann kam der Sattel. Damit assoziierte er etwas ganz Besonderes. Er hatte solche Panik vor dem Ding, dass nur noch eine Methode half. Ich bastelte aus dem Sattel ein Bändelmeer, band alles hoch. In einem vollkommen perfekten und sicheren Roundpen ließ ich ihn laufen. Bevor ich ihn jedoch sich selbst überließ, zog ich an einer Schnur und alle Bänder breiteten sich über ihm aus. Völlig out of control raste er stundenlang im Roundpen herum. Ich hatte ihn immer im Auge, da wir auf dem Platz mit den anderen Pferden arbeiteten. Nach 3 Tagen war es geschafft. Wir hatten ihm für seine Angst und Muskulatur ein Mittel geben können und schließlich konnte er problemlos angeritten werden - gebisslos, mit Sidepull. Immer wieder, wenn er schreckhaft wurde ( nach 1 Monat, dann 1 Jahr, später nach 2 Jahren), bekam er seine Mittelchen. Über Jahre hinweg hatte ich noch Kontakt zu der Besitzerin, die von ihrem coolen Pferd schwärmte.

  • Dann hatte ich einen ganz tragischen Fall. Ich weiß noch genau wann das war, denn ich hatte mein neues Auto gerade mal 1 Woche - meine heutige Biotonne :-))) Ein 14jähriges Mädchen war mit ihrem Reitbeteiligungspferd in einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Der Stall befand sich mitten in einem Industriegebiet in Kirchheim. Sie war vom Stall weggeritten, als ein LKW um die Ecke kam. Das Pferd war völlig überrascht und machte auf der Hinterhand kehrt. Das Mädchen hatte nur 1x keinen Helm auf gehabt und knallte mit dem Kopf auf den Asphalt. Das Pferd hatte nicht verstanden, was passiert war. Das Mädchen kam nicht mehr und keiner kümmerte sich mehr um ihn. Im Gegenteil. Seine Familie zerbrach und seine Besitzerin hatte quasi nur noch ihn. Er ließ niemanden an sich ran. Man muss dazu sagen, dass es sich bei dem Pferd um ein Quarter-Criollo-Mix handelte. Wendig und flink wie ein Quarter, ausgeprägter Fluchtinstinkt, eines Criollo. Erst arbeitete ich aus der Ferne mit ihm. Das ging ganz gut. Irgendwann machte ich ihm klar, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war, wo ich in seine Nähe kommen wollte. Es ging, aber mehr eben nicht. Es reichte jedoch aus, um ihm etwas geben zu können, ausgelöst durch das Trauma, was er erlebt hatte und ausgelöst durch sein Wesen, das er nun mal war..."schnell mal weg"! Es ruckelt sich alles ein und die Besitzerin konnte ihn wieder reiten....nein, der Pferdeflüsterer kam später in die Kinos ;-))) 
So kann ich ganz viele Geschichten erzählen....es würde Bücher füllen. Aber das gehört zu der Kategorie "Alte Zeiten". Was ich begriffen habe im Laufe meiner Tätigkeit, dass man nicht immer durch wohlmeinende Taten Dinge ändern oder in den Griff bekommen kann. Das bedeutet letztendlich nur, dass man sich selbst maßlos überschätzt. Zusammenhänge sind oft viel komplexer, meist körperlicher und geistiger Natur...die immer miteinander vernetzt sind. Ohne denken würden wir nicht fühlen und ohne spüren könnten wir nicht handeln...:-)))

Ich habe durch meine Arbeit mit den Pferden gelernt, dass nicht jedes Wesen in seine Haut auch rein passt. Manchmal ist der Kittel zu groß, manchmal ist es auch ein ganz anderer. Jedes Wesen hat seine Grenzen, die nicht wir zu bestimmen haben und manchmal sind diese Grenzen nicht normal. Oft ist es so, dass der Wille da wäre, aber der Körper nicht mitmacht oder umgekehrt.

Jemand der schreit, hat auch ein Problem auf der körperlichen Seite. Spätestens wenn er aufhört zu schreien wird ihm das bewusst - jedem!!!! Nur kümmern wir uns nicht drum...sollten wir aber!!!

Wenn wir bereit dazu sind zu erkennen, dass das Pferd einfach nicht kann, nicht aus seiner Haut kann, müssen wir ihm anders helfen, als gebetsmühlenartig unser Programm Tag für Tag durchzuziehen, in der Hoffnung, dass es irgendwann fruchtet....da komme ich noch einmal in einem anderen Blog darauf zurück mit dem Titel - Clockwork Orange - Pferdetraining....;-)))

Ich komme jetzt zurück zu diesem Buch! Es ist eher ein wissenschaftliches Buch. Denn es beschreibt unter anderem, die Veränderung eines Menschen im Moment des Ausbrechens einer Erkrankung.

Schwere, verdeckte Erkrankungen sind deswegen so schwer zu erkennen, weil sie in der verborgenen Tiefe unseres Körpers gedeihen, ohne dass wir es merken. Erst wenn Symptome auftreten - auf der körperlichen Ebene....leider!!!! - gehen wir zum Arzt.

Die Symptome treten aber schon viel früher auf der geistigen Ebene auf. Bei Krebs 3-4 Jahre vor der Symptom - Erkennung.

Für mich gab es immer eine Verbindung zwischen Eigenschaften und Erkrankungen, gelernt von den Pferden. Je plötzlicher, desto gravierender.

Wenn ich mir so die kranken Tiere anschaue, kann ich sofort sagen, warum sie krank geworden sind. Es steht ihnen förmlich auf der Stirn geschrieben.

Ich wünsche jedem, dass er mehr in sich hineinhören möge, innere Unruhen wahrnimmt und sie ernst nimmt und hoffentlich nicht ständig andere dafür verantwortlich macht. Denn nur so kann Erkenntnis und Erkennen fruchten und auch unter Umständen schützen.

Verstehen tu`ich sie zwar immer noch nicht...die Menschen...aber vielleicht ist das auch nicht meine Aufgabe.

Also, passt alle schön auf euch auf und nehmt das wahr, was euer "Ich" zu euch sagt.

Ich kümmere mich solange weiter um die Pferde :-)))

...und unsere Kunden...


Sonntag, 19. Juli 2015

"Western - Reiten"

Heute sind zur Abwechslung mal die anderen dran!

Als ich vor 28 Jahren bei Ute Holm, damals Landsmann erschien, hatte ich schon viele Jahre Reit-Gebuckel hinter mir...ganz klassisch mit vielen offenen Optionen, die ich auch nutzte. Ich bin heute denjenigen immer noch sehr dankbar, die mir die Möglichkeit einräumten, ihre Pferde zu reiten. Ich hatte schon früh sehr viele Pferde geritten...Dressur-, Spring-, Vielseitigkeitspferde...was anderes gab es damals noch nicht, bzw. bei uns im Stall.

Die Spanier und Portugiesen kamen so langsam aus dem sonnigen Süden angefahren und irgendwie faszinierten mich damals die Rasse der Alter Real, aber nicht die spanisch/portugiesische Reitweise.

Als ich auf Ute stieß, war diese Reitweise für mich eine Offenbarung. Zu diesem Zeitpunkt waren die Quarter noch recht klein 1,42m - max. 1.52m und zumindest im Trab sehr unbequem.

Trab??? Das benötigte man damals nicht. Es ging direkt aus dem Schritt in den Galopp. Gymnastizieren??? Das gab es damals nicht. Man setzte sich drauf und ließ die Pferde laufen

Wer das Westernreiten beherrschte brauchte keine Fersen und auch keinen Zügel...ich weiß nicht, wie heute die Regeln der AQHA sind....aber damals flog man raus aus der Prüfung bei Sporeneinsatz und offenem Pferdemaul.
Zu diesem Zeitpunkt erschien mir das zu wenig. Nur das Pferd laufen lassen??? Hm....
Mit den Jahren entwickelte ich mich auch weiter und überlegte mir, was die wahre Kunst des Westernreiten ausmacht. Leider ist das mit der heutigen Turnierreiterei für mich nicht mehr vereinbar. Heute bleibt das Pferd immer auf der Strecke.

Ich wollte einfach mehr und dann hatte ich es gefunden. Die Kür des Westernreitens besteht darin, jeden einzelnen Muskel des Pferdes zu aktivieren, ohne dem Tier seine Freiheit zu berauben, um meine ganz persönlichen Ziele zu erreichen, die eigentlich mit dem Pferd gar nichts zu tun haben.

Was mir heute so begegnet, empfinde ich  eher erschreckend. Da werden anatomisch nicht geeignete Pferde in eine Zwangshaltung gebracht, um - keine Ahnung was - zu erreichen. Es kann nicht erreicht werden, denn das Pferd ist dafür unter Umständen gar nicht gebaut.

Niemand käme auf die Idee mit einem Badmingtonschläger, Tennis zu spielen. Kein Golfinteressierter käme auf die Idee, mit einem Hockeyschläger aufs Grün zu gehen.

(Kein Golfer würde auf das Grün gehen mit einem kaputten Schläger...dieses Extrembeispiel gibt es leider unter den Reitern auch...)

Reiter tun das jedoch. Sie kaufen sich ein Pferd, ohne darüber nachzudenken, was sie damit wollen. Sie denken über den Preis nach und suchen sich danach das Pferd aus. Irgendwann wissen sie - vielleicht - was sie mit ihrem Pferd wollen und zwängen ihr Pferd in eine unpassende Jacke, die da heißt, Leistung - Sport.

Dann wird auf Teufel komm raus trainiert. Ein gutes Sportpferd braucht täglich max. 20min intensives Training. Im Aufbau werden Muskeln und Gehirn trainiert und wenn es die Materie beherrscht, muss es nur noch gelockert werden, bis kurz vor der Show. Übrigens auf Dauer ein langweiliges Unterfangen, weil es immer dasselbe sein muss, unter viel Disziplin. Wer 2 Stunden braucht, sollte sich ernsthaft Gedanken machen, ob er das geeignete Pferd für seinen Anspruch besitzt. Tut es das nicht, sollte er seine Einstellung ändern oder sein Pferd verkaufen.

All diejenigen, die das nicht tun, werden ihr Pferd verschleisen, auf eine, dem Tier unwürdige Art und Weise.

Das Westernreiten heute hat sich stark verändert. Gut gymnastizierte, lockere Pferde am losen Zügel, findet man kaum noch in der Szene. (Noch weniger begegnet man freundlichen gut erzogenen Reitern....sorry!!! Meine persönliche Weltanschauung)

Jedes Pferd hat so seine anatomischen Tücken, aber vielleicht einen super Willen. Ich muss auf seine anatomischen Fehler acht geben und seine Vorzüge in den Vordergrund bringen...beim Menschen nicht viel anders.

Im Training vieler, geschieht das meistens anders herum. Da wird auf der mangelnden Anatomie rumgeritten (die leider nicht verändert werden kann), bis der Wille schwindet. Ist die Motivation weg und der Körperbau gar nicht vorhanden, tauchen sie auf....ganz schleichend....die Erkrankungen.

Der Wunsch in uns nach Freiheit, hat viele zum Westernreiten gebracht. Warum in Drei-Teufels-Namen, gestehen wir uns nicht die Freiheit zu, die Dinge für uns und unser Pferd anders zu entscheiden. Immer wieder lassen wir uns in eine Schublade stecken, versuchen aus dieser Schublade herauszukommen, um in der nächsten zu landen. Wir versuchen uns anzupassen, um dazu zu gehören und hören nicht auf unsere innere Stimme, die da sagt "Tu`es nicht!"

Mir kann keiner erzählen, dass er diese Stimme nicht kennt...erwischt???

Hinter Westernreiten verbirgt sich eine Philosophie der Freiheit. Nutzen wir doch diese Chance und setzen sie um, für uns und unsere Pferde. Wer das begriffen hat, tut sich mit seinen Artgenossen auch leichter.

Womit ich geneigt bin, das nächste Fass auf zu machen....;-))

Heute leiden Menschen unter einem unnatürlichen Kontroll- und Geltungszwang. Ich habe in meiner noch jungen Golfkarriere des Vesuchs, nicht einmal erlebt, dass ein Golfanfänger - der nicht einmal in der Lage war, den Ball zu treffen - zu einem Lehrer ging, und ihm die Welt des Golfschlägers erklärte.

Das gibt es nur bei den Reitern und jeden Tag werden es mehr. Ich weiß, dass das spitz und gemein ist.

Vielleicht möchte der eine oder andere tatsächlich etwas ändern und hat jetzt endlich den Mut, es zu tun. Dann hat sich dieser Text schon gelohnt......und meine Glückwünsche hat er!

Westernreiten bedeutet "Loslassen", "Entschleunigen", "Sich auf das Wesentliche konzentrieren".

Probiert das mal aus, dann werdet ihr automatisch die Zügel lose in eine Hand nehmen können, sitzen bleiben - auch wenn es mal hüpft...und in Gedanken die Sonne putzen...:-)))

Ich frage mich ganz oft, wenn ich Reitern zuschaue, was für einen Mangel er versucht zu kompensieren.

Unsere eigenen inneren Zwänge sind unser Feind. Wenn wir sie aus uns verbannen - und das kann uns das Westernreiten lehren - haben wir die erste Stufe des Glücks erreicht. Wir sind frei und unabhängig und für uns und unser Pferd verantwortlich. Nicht der Trainer, nicht der Arzt, nicht unser Rechtssystem....

...und jetzt hör ich auf, sonst wird es blöd!


Dienstag, 7. Juli 2015

Kabelsalat

Ich habe in den letzten Wochen sehr viel über das Nervensystem - seine Möglichkeiten der Reaktionen gelernt und nachgedacht, sodass ich heute ein paar Rückschlüsse meiner Beobachtungen zum Besten geben kann, was unter Umständen viele Pferde(lieb)haber irritieren wird. Vor allen Dingen wird es denjenigen zu denken geben, die Pferdeliebe auf Füttern und Putzen reduzieren und das Bedürfnis nach Reiten komplett ausschließen.

Als alte erfahrene Pferdefrau kann ich jedem sagen, dass Reiten mit der Liebe zum Pferd gar nichts zu tun hat, sondern schlicht weg mit unserem eigenen Bedürfnis einhergeht, uns tragen zu lassen und ein Wesen zu beherrschen, das viel stärker und größer ist als wir....Alles andere spielt zunächst eine völlig untergeordnete Rolle.

Das ist das ungeschminkte Gesicht von 25 Jahren Erfahrung mit Pferden, Reitern und die es werden wollen.

Vielleicht hat mal in der Tat jemand beobachtet, wie ein Pferd reagiert, wenn er es besteigen will. Englischreiter haben da einen großen Nachteil, weil sie beim Aufsteigen auf das Hinterteil des Pferdes schauen.

Die Westernreiter schauen immer in Richtung des Pferdekopfes...somit bekommen sie die Reaktion des Pferdes mit, wenn sie es besteigen...sollte man meinen....

Ich schätze, dass...80% der Westernreiter gar nicht bewußt ist, wie das Pferd beim Aufsteigen reagiert....

Es hebt den Kopf. Ein gut trainiertes Pferd hebt nur noch leicht den Kopf, ein williges auch. Ein junges Pferd richtet auch noch die Ohren nach hinten. Drückt ein unerfahrenes Pferd dabei auch noch den Rücken weg, wird es einem kurz das Weiße im Auge zeigen und Gas geben. Denn, ungewohnter Schmerz im Rücken bedeutet "Gefahr".

Das Wegdrücken des Rückens ist eine unwillkürliche Handlung. Was bedeutet das???

Die Schmerzrezeptoren liegen direkt unter der Haut. Diese senden Impulse über die sensiblen Nervenbahnen. Der Schmerz wird direkt an das Rückenmark geleitet. Das spannende daran ist, dass das Rückenmark ohne Zuschaltung des Gehirns reagieren kann. Diese motorischen Nerven befinden sich auf der Oberseite eines Wirbelkörpers - beim Pferd im oberen Rücken - und können direkt aufgrund der Schmerzleitung der Haut reagieren. Es kommt zu einer spontanen Reaktion - dem Rückenwegdrücken.

Wir kennen das vom Fallen, wenn wir unsere Arme im Sturz nach vorne strecken.....eine unwillkürliche Handlung ohne Zuschaltung des Gehirns.

Zurück zum Pferd....

Beim Rückenwegdrücken wird der Kopf angehoben, bedingt durch die Anordnung der Muskulatur und der Tatsache, dass die Muskeln noch kalt sind und nicht auf Dehnung vorbereitet sind. Durch das Anheben des Kopfes, kann es, muss es aber nicht - zu einer willkürlichen Schmerzreaktion in Folge kommen. Es passiert dann, wenn der Schmerz nicht nachläßt, sondern aufgrund der Ermüdung, der sich wehrenden Rückenmuskulatur, verstärkt.

Die Willkür unterliegt, wie es der Namen schon sagt dem Willen - das Gehirn schaltet sich ein. Und da das Pferd durch Schmerz mit Flucht reagiert, wird es unter Umständen um sein Leben rennen. Läßt der Druck nicht nach, wird es solange bocken, bis der Schmerz nachläßt und der Reiter am Boden liegt.

Ich werde jetzt nicht  erklären, wie es geht und auf was man achten muss bei einem besonders schmerzempfindlichen Pferd mit starkem Fluchtreflex und Willen, bedingt durch eine überhöhte Sensibilität und Anatomie.

Die dem Willen unterliegenden, notwendigen motorischen Nervenbahnen treten an den Wirbelkörpern nach Innen aus, also Richtung Bauch (beim Pferd nach unten). Diese Nerven stehen nicht nur mit dem Gehirn in Verbindung, sondern auch mit dem in der Nähe befindlichen Organ, deswegen nach unten. Das Organ ist auf die Zuschaltung der Nerven aus dem Gehirn angewiesen, aber das ist jetzt ein anderes Thema, hat mit Druckverlust, Durst, Essen, etc. zu tun.

Jetzt kann jeder mal googlen, was passiert, wenn wir ohne Unterlass den Bauchmuskel behacken - willkürlich oder unwillkürlich. Ganz abgesehen davon, dass wir mit unserem Gewicht das Pferd im wahrsten Sinne des Wortes auf die Nerven gehen - mit oder ohne Sattel (hier allerdings verstärkt punktuell, vergleichbar einer Akupressur).

Typische Überreizungserkrankungen von Nerven, die der Willkür unterliegen und organische Reaktionen bedingen sind Leber- und Darmerkrankungen. Die bekannteste hierzu ist beim Pferd die Kolik.

Wirbelschmerzen sind auch immer ein Hinweis auf Organerkrankungen...wie bei allen Wirbelwesen.

Nehmen wir nun doch alle mal zur Kenntniss, dass die Symbiose zwischen Pferd und Mensch nichts mit Liebe zu tun hat und dass auch unser Pferd die Arbeit mit uns genießt, sonst würde es uns nicht er-(tragen).

Begegnen wir doch endlich mal dem Pferd mit Respekt und Würde und lassen dieses einfach mal Pferd sein und nehmen zur Kenntnis, dass wir dieses Tier reiten wollen...

Ein glückliches Pferd ist ein Pferd, das in Frieden fressen, saufen und dösen darf, ohne dass ständig jemand an ihm herumzerrt, weder der Kumpel, noch der Mensch. Sie lieben die Stille und sie lieben Aufgaben. Und wenn sie verstanden haben, um was es geht, werden sie auch ihren Reiter lieben, der sich davor in Acht nehmen sollte, sein Tier nicht zu überfordern und ihm Zeit für seine Entwicklung zu lassen, ohne es zu langweilen.