Montag, 27. April 2015

Ein Diamant

Nun bin ich aus Mailand zurück gekehrt und mir schwirrt so Manches im Kopf herum. Es ist ein Sammelsurium von Notizen, die mein Hirn gespeichert hat, aufgrund von Gesprächen und Ereignissen.

Es ist immer eine Bereicherung, wenn man gefordert ist. Allerdings ist es auch eine Bereicherung mit Menschen zu sprechen, die vom Leben eine Ahnung haben und auch eine entsprechende Erfahrung mitbringen.

Auf unserer Reise nach Mailand wurden wir von einer Gruppe von Menschen begleitet, die aus ihrer Sicht einen fantastischen Blick auf das Leben haben. Unter anderem ein Nobelpreisträger, Psychotherapeuten, Architekten, Führungskräfte der Industrie. Sie alle haben eins gemeinsam. Es ist der reife Blick auf das Leben - mit einem Lächeln.

Nun aber zu meinem Thema. Ich bin gespannt, wie ich es schaffe, diese Vielfalt in ein Netz zu verspinnen.

Ich beginne mit meiner letzten Reise nach Stuttgart. Mir begegneten auf dieser Reise ganz erstaunliche Dinge. So erzählte mir eine Reiterin, die schon sehr lange bei uns reitet, aber aufgrund der Entfernung eine Reitbeteiligung in ihrer Nähe gesucht und gefunden hat, dass sie eigentlich sehr unglücklich darüber sei, wie der Unterricht dort ablaufen würde. Die Pferde würden sofort rangenommen, es gäbe keine Pausen und im Prinzip bestünde das Reiten auf absoluter Kontrolle (hauptsächlich über den Zügel).....

....hm, das Nächste was ich erfuhr war der Blick, der immer geradeaus gerichtet sein müsse und jetzt kommt der Wiederspruch zur Technik...man müsse das Pferd mit dem Geist reiten....und das aus dem Mund einer sehr jungen Frau......ohje!!!!

.....das ist dann aber doch noch ein langer Weg!!!!

Mit dem Geist reiten, ist wie mit Gott sprechen. Es verlangt ein hohes Maß an Selbstdisziplin, Erfahrung und die Fähigkeit seinen Körper mit seinem Geist in Einklang zu bringen, das Herz dominieren zu lassen, und das auf dem Pferd zu vollenden.

Wer diese Kür beherrscht, wird nie krank, hat immer ein Lächeln auf dem Gesicht, ist immer freundlich zu anderen Menschen und ist vor allen Dingen im Leben angekommen....

Ganz ehrlich??? Ab diesem Moment braucht man keinen Lehrer mehr....

Ein reifer, erfahrener Lehrer behandelt seine beiden Schützlinge wie einen Diamanten und einen Klumpen Gold. Damit beide zum Erstrahlen kommen, muss der Diamant geschliffen werden. Wer einen Diamanten in der Rohfassung kennt, weiß, dass man ihn als Diamant gar nicht erkennen kann, und ist über seine Bedeutungslosigkeit im Orginal überrascht. Das Schleifen ist mühselig. Der Diamant kann nur mit einem anderen Diamanten geschliffen werden. Um ihn zum Strahlen zu bringen, bewegt sich der Diamantenschleifer im Nannobereich, bis er das Funkeln herausgezaubert hat.

Der Goldklumpen wird zur Fassung modelliert. Er soll den Diamanten nicht umklammern und nicht einengen, sondern den Glanz des Diamanten unterstreichen.

Jedes Pferd ist ein kleiner Diamant. In der Rohform erkennt man seine Schönheit sehr selten. Ein guter Trainer erkennt den kleinen Schatz, den er präsentiert bekommt, und will ihn zum Strahlen bringen, dabei hat jedes Pferd seine Eigenheiten, wie die Diamanten auch. Um ihn zum Strahlen zu bringen, muss man das Innere nach außen kehren, so wie bei einem Pferd auch.

Kann sich der Geist des Pferdes nach außen kehren, wird der Mensch an seiner Seite ganz klein und unscheinbar. Doch auch er hat eine besondere Aufgabe. Der Mensch sorgt dafür, dass sich der Geist entfalten darf, dass er sich wie auf einer Bühne bewegen darf, dass er einen Rahmen erhält - eine Fassung - die das ganze Licht in der Bewegung reflektieren darf, ohne ihm dabei die Freiheit zu rauben.

Das ist Reiten. Es ist vergleichbar mit einem Diamant in einer Fassung. Der Reiter als Fassung. Der Reiter, der auf Platz Zwei gehört, nicht auf Platz eins.

Menschen mit einem zu starken Geltungsbedürfnis werden dieses Ziel nicht erreichen. Sie werden Schleifchen sammeln, aber sie werden nicht diese innere Tiefe zu sich und ihrem  Herzen finden.

Die Kommunikation mit dem Pferd entwächst dem Herzen. Ein guter Horseman bedient sich nicht der Techniken. Er arbeitet mit dem Herzen. Pferde können das sehen....das Herzchakra.....:-)))

Das Herzchakra macht eine Person aus mit sehr viel Tiefe, mit sehr viel Frieden, mit sehr viel Präsenz.

Wir bei HBWR konzentrieren uns darauf, unseren Reitern den Weg zu sich selbst zu finden....ein bisschen weniger Hirn und Verstand, ein bisschen mehr Herz, ein bisschen mehr Wurzel und ganz viel Frieden.

Es ist ein langer Weg, und wir begleiten unsere Reiter auf ihrem langen Weg. Denn jeder fängt ganz klein an. Wir behüten sie, geben ihnen kleine Hinweise. Wir überfordern sie nicht und irgendwann beginnt es zu schwingen - das innere "Ich".

Ich muss dann immer schmunzeln, denn das Schwingen verändert die Bewegung des Pferdes, bevor der Reiter es überhaupt wahrgenommen hat, und verrät somit ihn.

Reiter nehmen diese Veränderung erst viel später wahr, sind dann aber völlig aus dem Häuschen.

Ich habe dabei immer das Gefühl, dass in diesem Moment der Reiter sich von seinen inneren Zwängen befreit hat und seinem Diamanten die Freiheit und Präsenz zugesteht.

Es ist einfach nur schön, diesem Einklang, dieser Harmonie, diesem Fluss an Energie, diesem Verständnis zu zuschauen. Dann verschränke auch ich meine Arme und schaue nur zu und denke mir...."Es ist geschafft! Der Diamant hat seine Fassung erhalten!"




Mittwoch, 8. April 2015

Thigh Gap

Unter den jüngeren Lesern ist dieser Begriff nicht unbekannt.

Ein junger, nach Erfolg strebender Designer schuf diesen Begriff, als er magersüchtige Models über den Laufsteg schickte.

Thig Gap ist die Lücke zwischen den Oberschenkeln, die man auch von den Hungerleidenden in den afrikanischen Ländern kennt.

Es ist schick...auch für junge Männer bohnenstangenhafte Beine zu besitzen. In Berlin rennen ganz viele davon rum. 20jährige, aschfahl mit tiefen Augenringen.

Ginge es dabei um Pferde, würde der Besitzer des Pferdes das Veterinäramt am Hals haben.So geschehen bei uns.

Was tun, wenn das Lebewesen vor uns am vollen gedeckten Tisch sitzt und einfach nicht isst.

Gesundheitsämter streiten sich über den Bodymaßindex. Ist es normal, wenn eine Person einen Bodymaßindex von 17 hat? Da hört man dann:"....ja es gibt diese Dürren wirklich!"

Wirklich??? Vielleicht steckt ja auch eine Schilddrüsenerkrankung dahinter...oder das Hungern.

Als bei der Pret a Porter eine junge Frau aus den Latschen kippte, schlug das System zu!

In Frankreich wurden mit einem Schlag die Magersüchtigen auf den Laufstegen verboten.

Wie wäre es denn mal mit Aufklärung!!!

Es ist schick geworden verhungert auszusehen und dann noch nichts zu essen, wenn überhaupt vegetarisch...der Trend geht aber zum Veganer....blöd, dass nicht abzusehen ist, wie diese Menschen sich in 20 Jahren fühlen und unter welchen Krankheiten sie leiden werden. Kein Vit B, kein Kalzium, keine Bewegung in jungen Jahren bleibt leider nicht ungestraft.

Was passiert da eigentlich. Vegetarische Magersüchtige mit Thig Gap marschieren auf die Osteoporose zu. Nicht erst, wenn die Menopause einsetzt, sondern schon mit 30 Jahren. Sie züchten mit ihrem Essverhalten eine Unfruchtbarkeit herbei. Da braucht man keine hormonverseuchten Gewässer mehr, denn es passiert von ganz alleine.

Das nächste Problem für junge Männer ist Soja. Soja enthält den höchsten Gehalt von Phytoöstrogene. Fazit...jeder junge Mann, der nicht Vater werden will, sollte reichlich davon essen.

Schwangere Frauen, die sich vegetarisch ernähren, sollten begleitend Vit B Gaben zu sich nehmen, auch reichlich von Kalzium.

Jetzt schon begegnen mir Menschen - auch ältere - mit massivem Kalziummangel. Wir brauchen es...für unsere Knochen. Ohne Kalzium und Vit B werden die Knochen spröde oder weich. Sie altern und können sich nicht mehr regenerieren.

Proteine sind die wichtigsten biochemischen Funktionsträger. Ihr Gesamtbestand macht etwa 15-17% der Körpermasse aus.  Wir benötigen 1g pro Kilo Körpermasse täglich. Ich meine jetzt Proteine natürlicher Herkunft. Proteine verändern unseren Hormonhaushalt.

Wir verweigern genmanipuliertes Gemüse, hormonverseuchtes Fleisch, stopfen aber synthetische Pillen in uns rein von denen wir nur einen Teil der Inhaltsstoffe kennen.

Die meisten verbinden Hormone mit dem Sexualverhalten. Leider besitzen sie überall Schaltfunktionen für die Motorik, für das Funktionieren der Organe, für unsere Emotionen.

Unterdessen kann ich genauso gut Veganer orten, wie Menschen, die zu viel Fleisch konsumieren.


Die Jugend ist schön, der Schönheitswahn allerdings ein großer Fehler mit schwerwiegenden Folgen, dessen Ausmaß man noch gar nicht abschätzen kann.

Nichts zu essen, dann noch vegetarisch oder gar vegan ohne ärztliche, ernährungsberatende, wissende Person, das sollte ein junger Mensch nicht tun, nicht wenn er in seiner Lebensplanung Kinder einbauen möchte. Und auch sonst nicht. Mangel an Vit B und Kalzium, kann der Körper nicht so einfach kompensieren. Fehlen Muskeln, fehlt dem Körper Stützgewebe für die Knochen. Sind die Verknorpelungen an den Gelenken verschlissen, mangels Stützgewebe, wird es sehr schmerzhaft....unter Umständen überall, auch in der Wirbelsäule.

Ist es das wirklich wert?





Mittwoch, 1. April 2015

Unser Geburtstagskind....

...wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst....!!!!

Ich habe mich heute extra beeilt, um über Bahija zu schreiben. Sie ist heute 26 Jahre alt geworden.
Eine rüstige Rentnerin auf vier Beinen.

Als sie auf die Welt kam, heute vor 26 Jahren, spickelte ich durch die Boxentüre, 1 Stunde nach ihrer Geburt....ja...ein Pferd...ein hässliches, braunes Entlein lag da im Stroh.

Sie wuchs auf dem Hof auf und ich realisierte sie kaum...war einfach nicht mein Typ.

Im Herbst hielt ich schon mal Ausschau nach meinem eigenen Pferd. Ich wollte mir von meinem ersten verdienten Geld ein Pferd kaufen.

Aus irgendwelchen Gründen wurde ich vor Weihnachten auf sie aufmerksam (gemacht) und ich deutete ihrem Züchter an, dass ich in Erwägung ziehen würde, sein Fohlen zu kaufen, was eigentlich völliger Schwachsinn war.

Er freute sich so sehr, dass er mich gleich am Ärmel hinter sich herzog. Bahija`s Box glich einem Hochsicherheitstrakts mit Schloss und Riegel versehen. Madame hatte die Gabe, alle Türen zu öffnen.

Er entriegelte alle Schlösser und ließ mich alleine.

Man stellt sich das immer so romantisch vor...das eigene Pferd, und eigentlich sollte sich das Pferd auch freuen. Tat es aber nicht!!!

Als ich die Boxentüre geöffnet hatte, feuerte sie eine Salve nach der anderen ab, immer Richtung meiner Person. Ich weiß nicht, aber ich dachte nicht lange nach und fing selbst an, nach ihr zu treten.

Etwas erstaunt hielt sie inne und ich konnte sie anfassen. So ging das in einem Fort.

Endlich hielt ich sie am Strick mit stolz geschwelgter Brust - was macht Bahija - sie rannte einfach los. Ich - keine Ahnung von Fohlen hielt sie fest. Leider hatte sie mich so überrascht, dass ich stolperte und sehr viel Sand schlucken musste.

Mit der Zeit legte sich das und wir wurden ein Team. Ich nahm sie überall hin mit.

Bevor sie zur Ausbildung zu Ute Holm kam, ließ ich es mir nicht nehmen, sie selbst zu besteigen. Es war kein Problem. Auch das Gelände war kein Problem.

Meine Tochter war geboren und auch sie lernte auf ihr das Reiten.

Bei unseren Urlauben in der Lüneburger Heide war auch Bahija dabei. Mit Satteltaschen und Karte bepackt zog ich mit ihr los.

Einmal landeten wir im Moor. Sie versank bis zum Karpalgelenk im Sumpf. Gleichzeitig versperrte uns ein Baum den Weg. Wir beide versuchten uns durch zu arbeiten und schafften es auch. Wir besuchten die Hunnengräber. Ich durfte Bahija sogar mit rein nehmen. Wir überquerten einen Staudamm. Trotz Getöse blieb sie ganz ruhig und Passanten schauten uns erstaunt hinterher.

Wenn wir rasteten, musste ich sie nicht anbinden. Sie kannte das schon aus der Zeit, als ich beim Ausritt mein Kind stillen musste. Sie blieb einfach bei mir.

Das schönste Erlebnis hatte ich, als ich mich in der Heide verritten hatte. Irgendwann kreuzten wir einen gepflasterten Weg. Irgendwohin musste der Weg ja führen, also ritt ich an ihm entlang. Ein Geräusch bahnte sich einen Weg zu uns. Es kam unheilvoll näher. 4 Panzer rollten von hinten immer näher heran. Wir konnten nicht ausweichen. Wir waren versehentlich auf das Nato-Übungsgelände geraten.

Die Jungs krochen alle aus ihren gepanzerten Fahrzeugen, um das Schauspiel des lonesome Cowgirls mit ihrem Pferd zu bestaunen.

Bahija bekam einige Fohlen...tolle Pferde!!! Nicht jeder war in der Lage diese Pferde zu schätzen.
Für Bahija waren Fohlen schon immer das größte gewesen. Man sah es ihr an, wenn sie ein "Kleines" wahrnahm....Augenaufschlag...blink, blink....Baby...Meins!!!

Bahija hatte schwere Verletzungen. Sie wurde Opfer eines Rippers. Laut Tierarzt 40 Messerschnitte im Genitalbereich.

Bahija zog sich eine Drahtschlinge ins Sprunggelenk. Sie befand sich an dem einzigsten Baum auf der Koppel. Die Koppel war groß. Sie kämpfte....ich auch!

Bahija gewann Turniere...Reining, Horsemanship, Western Riding...nur Pleasure...das ging nicht.

An der Kuh arbeitete sie hervorragend. Unser Bauer stellte seine Kühe vom Anbindestall auf Laufstall um. Er hatte Sorge, dass die Tiere ausflippen würden und fragte mich, ob ich ihm mit meinen Pferden helfen würde. Bahija und ich trieben sie abends in den Melkstand.

1998 gründete ich die Reitschule. 2000 war Bahija mit Bijou trächtig. Brav absolvierte sie ihre Reitstunden mit ihren Schülern, trotz dickem Kessel. Bis 2010 wechselte sie noch wie eine Junge durch die Halle. Ihren letzten Schüler trug sie 2012. Dann stellten wir den Vertrag auf Rentner um.

Nun kümmert sich eine junge Frau um sie, die sie sehr lieb hat. Je nach Tagesform geht es immer noch ab ins Gelände...aber wie!!!!

Manchmal machen Bahija ihre Augen zu schaffen. Dann kommt sie nur zur Pflege raus.

Nächste Woche bin ich wieder bei meinen Tieren und werde meine Runde drehen, sie begrüßen, und  sie danach fragen, wie es ihnen geht.