Mittwoch, 26. November 2014

Oh je.....!!!

Jetzt muss ich doch mal wieder eine Geschichte erzählen. Diese Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten ;-)))

Frau Q betreibt einen kleinen Reitbetrieb an zwei Standorten. Sie hat das mit dem eigenen Stall - zum Glück - komplett an den Nagel gehängt. Zu viel Theater mit zu vielen unterschiedlichen Menschen.

Sie hat sich ganz auf die Dienstleistung "Reiten" konzentriert.

Man sollte meinen, dass die Stallhaltung - die sie ganz bewußt abgegeben hatte - über einen anderen Vertragspartner zu funktionieren habe.

Irgendwie krankte aber an einem Ort immer das Verständnis über den Inhalt der Vereinbarung.

Als sich dann ein Tier verletzte und Frau Q trotz gestarteter medizinischer Ausbildung genötigt wurde nicht nur einen Tierarzt zu konsultieren, sondern auch ein ganzes Programm kostenintensiver Fütterungsmaßnahmen startete, fragte sie sich schon, was denn nun der Inhalt der Pferdepension sein solle.

Es kam noch dicker.

Irgendjemanden wurde durch die  nicht vorhandene Anwesenheit Frau Q´s zur Weisglut getrieben und schwärzte diese beim Vetamt B an.

Frau Q nahm diese Aktion nicht ernst, war sie jahrelang mit der Leiterin des Vetamtes S befreundet, und beide hatten ja auch schon ein paar gemeinsame Kinderprojekte gestartet.

Hm!

Eines schönen Tages erhielt Frau Q Post vom Vetamt B. Tausend Formulare, die falsch ausgefüllt einen in die Falle gelockt hätten und später als Beweismittel fungiert hätte. In diesem Spiel war Frau Q besonders erfahren. Also rief Frau Q dort an. Die Dame am anderen Ende drückte Frau Q gleich einen Besichtigungstermin auf`s Auge. Frau Q wußte nicht, wozu das gut sein sollte, da sie ja keine Pensionspferdehaltung besaß. Also nahm sie sich einen ganzen Nachmittag frei.

Hm!

Zu Zweit kamen sie angerückt, ließen sich alles zeigen (Pferde, Sättel, Trensen, Putzzeug, das  gekaufte Futter) obwohl sie aufgrund der Meinung von Frau Q gar nicht berechtigt dazu waren. Schließlich hatte sie zur Pferdehaltung ja auch eine nachweisbare Ausbildung mit Abschluß gemacht und wußte, wer für was zuständig war/ist.

Sehr kooperativ zeigte sie alles.

Dann kam der Hinweis, sie solle das Formular ausfüllen, was sie nicht tat. Sie machte das Vetamt darauf aufmerksam, dass sie eh wegziehen wolle.

Stille!

Dann kam vom Vetamt B die Auflage, sie müsse den Umzug melden....bei ihnen....soso!!!

Sie tat es nicht. Es kamen diverse Anrufe vom Vetamt B und dann herrschte Ruhe.

Witzigerweise erschien ein Foto des Pferdes - um das so viel Gewese gemacht wurde - im Social Media Web. Prompt erhielt sie einen Anruf....Monate später vom Vetamt B: Sie müsse ihren Betrieb bei dem Vetamt E anmelden, ansonsten bekäme sie eine Anzeige.

Als Frau Q ganz entspannt entgegnete, dass sie immer noch nicht kapiert habe, warum das so sein solle...gab es einiges "in" die Ohren.....

Nun, Frau Q hat jetzt tatsächlich beim Vetamt E angerufen und ihnen die Sachlage erklärt, dass sie keinen eigenen Pensionsbetrieb habe, aber mit ihren Pferden Geld verdienen würde. Und was sie denn jetzt machen solle.

Frau S vom Vetamt E, schaute nach, ob der Hof, auf dem sich die Pferde befinden, gemeldet war.

Ja, war er. Somit war der Fall erledigt.

Frau Q hatte doch in der Ausbildung aufgepasst und wusste, dass Personen die mit der Pferdehaltung Geld verdienen, die Halter der Pferde sind und somit verpflichtet sind die Pferde auf ihrem Hof beim Vetamt zu melden. Der Besitzer hat mit diesem Thema gar nichts zu tun.

Das Vetamt ist schlußendlich für die gewerbliche Haltung von Tieren zuständig, nicht mehr und nicht weniger.

Manchmal lassen sich die Dinge ganz schnell klären, wenn man einen Zweiten oder Dritten befragt. ;-)))



Montag, 24. November 2014

Der Motor der Beweglichkeit

Heute schreibe ich mal über etwas ganz anderes ;-)))

Jeder weiß, dass das Innerste eines Wirbelwesens das Skelett ist. Die wichtigsten Organe sind nach Außen geschützt durch Rippen oder unserem Becken.

Die Wirbelsäule eines Menschen ist S-förmig angelegt, damit sie stabil und beweglich mit dem Rest des Körpers korrespondieren kann.

Bei Pferden gibt es auch Rippen, falsche Rippen, lose Rippen und das Kreuz-Darmbein sieht genau gleich aus, wie beim Menschen. Auch unser Kreuz-Darmbein kann eine individuelle Note besitzen.

Die Wirbelsäule ist bei manchem Pferd auch etwas S-förmig und hat etwas von einem durch gesessenen Sofa. Unser Steißbein ist der verkrüppelte Schweif des Pferdes und kann schon Ärger bereiten.

Damit das Ganze irgendwie zusammengehalten wird, gibt es die Muskulatur. Aber nicht nur. Verbunden mit dem Knochen sind die Muskeln über die Sehnen.

Jeder Muskel hat eine ganz spezielle Aufgabe, dessen Zwilling sich meist auf der gegenüberliegenden Seite befindet und genau das Gegenteil von dem macht, was Nr.1 vorgibt.

Muskeln kann man nicht dehnen, sie können nur entspannen...soweit waren wir schon mal.

Um beim Menschen zu testen, ob die Wirbelsäule beweglich genug ist - ob der Muskel richtig entspannen kann, gibt es den Vier - Pfoten - Bodentest. Der Probannt muss sich mit den Fingern Richtung Boden bewegen....autsch!!!! Da war es schon....geht nicht.

Jetzt kann ich mich meinem Probannten auf den Rücken setzen und wie auf einem überfüllten Koffer rum hüpfen, in der Hoffnung, er möge sich noch mehr zusammen falten. Es wird nicht gehen.

Nehmen wir ein Pferd. Ohne Reiter, kein Problem. Ohne anatomische - künstlich, per Zucht erzeugte Bewegungshandicaps, auch kein Problem.

Ein Pferd mit geringer, bzw. gar keiner Rückentätigkeit - schwierig - seine Natur bedingt schon ein großes Problem. Dass Probleme auftauchen können, ohne äußerliche Symptome, wissen wir, seit wir Menschen den Weg zum Arzt nehmen.

Nehmen wir das Pferd ohne Reiter und ohne Rückentätigkeit.Wenn wir uns auf diesen Rücken setzen - das erste Mal - huiiiiii - lernen wir das Fliegen - vielleicht.

Andere haben diese natürliche Schwingung im Rücken, können dafür aber nicht so mit den Füßen strampeln. Die Schwingung wurde weggezüchtet, nur damit das auf der Show cool aussieht.

Meistens stirbt auch dieser schwingende Rücken ab. Zu schnell, zu viel, zu einseitig , zu langweilig, zu...zu...zu - eben.

Nach 2 Jahren beginnt der Ärger. Das Pferd geht nicht mehr richtig vorwärts. Jetzt kommt der Punkt, an dem ich den überfüllten Koffer anbringen will, auf den wir uns setzen, um ihn zu schließen.

Da wird das Pferd zu Tode korrigiert....Schnitt!!!!

Das Pferd ist ein Läufer. Es ist immer in Bewegung. Ist es auf der Flucht, springt es schon mal davon. Während dem Laufen frisst es....Gras, das bekanntlich auf dem Boden wächst...16 Stunden lang.

Welches Pferd kann heute schon 16 Std lang in der Bewegung Gras fressen. Würden wir das zulassen in unseren Breitengraden, bräuchte man das Pferd nur noch rollen.....Fazit: So geht das nicht!

Wir müssen das Pferd dazu bringen, dass es sich entspannt. Ein Pferd kann sich mit dem Reiter oben drauf nicht entspannen, weil der da gar nicht hin gehört. Also bringen wir dem Pferd bei, dass es sich unter uns in komplette Entspannung begibt...im Stand.

Hat das Pferd das begriffen, lassen wir es im Schritt gehen und motivieren es, sich in die totale Entspannung zu begeben.

Ich sehe ausschließlich Reiter, die ihr Pferd bis zum Widerrist in Entspannung reiten können. Hinter ihrem Rücken geht es aber weiter.

Bei 98% der Pferde sitzt der Knackpunkt im mittleren Kruppenmuskel. Ich bezeichne ihn lieber als Muskulatur der Lendenwirbelsäule, da sie vergleichbar ist mit der unseren und etwas anschaulicher erscheint.

Was macht dieser Muskel eigentlich??? Er hält die Lendenwirbelsäule stabil, er hält das Pferd in der Bewegung zusammen, er gibt die Bewegungsrichtung vor, er ist für Beschleunigung und das Untertreten zuständig....bevor überhaupt irgendein anderer Muskel in Aktion tritt. Ohne ihn, geht nichts!!!!

Ich lese immer wieder so Blödsinn: Wie baue ich den Muskel auf, wie dehnen ich den Muskel richtig, wie kräftige ich den Muskel.....etc.

Der Muskel, so wie er ist, muss einfach nur beachtet werden. Er muss sich entspannen dürfen, damit er sich wieder kräftig zusammenziehen kann.

Das Problem sind wir, nicht der Muskel. Wir beachten ihn nicht - und wenn, dann ist es meistens zu spät.

Einem vertrockneten Kaugummi ist auch nicht mehr zu helfen. Ein Muskel, der sich nicht mehr entspannt ist unterversorgt. Wir müssen ihn dazu bringen, dass er sich wieder bewegt, elastisch wird. Wenn er sich bewegt, wird er versorgt. Vielleicht tut er das, wenn wir Glück haben...bewegen!

Mit viel Geduld schafft man das, wenn man in der Lage ist, das dumme Geschwätz der Stallnachbarn auszuschalten :-)))

In diesem Sinne, frohes Gelingen!

Montag, 17. November 2014

Die Zelle...

Wer unter den Lesern mit der Zelle die Pferdebox verbindet, hat noch nicht mitbekommen, dass Pferde unterdessen artgerecht gehalten werden können, indem man ihnen genug Platz zur Verfügung stellt, sich zu bewegen. Bei dem Bedarf des Schutzes und der Möglichkeit des Ruhen, haperts noch ein wenig bei den meisten Anbietern.

Anderen fällt vielleicht sofort der Song von Johnny Cash ein, andere kennen diesen Song "The Mercy Seat" eher von Nick Cave und Blixa Bargeld (echt coole Nummer).

Ich schreibe weder über den Pferdeknast, noch über den im übersichtlichem und sicherem Maße verwalteter, angeblicher böser Menschen.

Es geht um unser "Kleinstes". Wenn es nicht funktioniert - das "Kleinste" bekommen wir sofort ein Problem.

Meistens winkt es schon mit der Fahne, wenn es ihm nicht gut geht. Und meistens bemerken das andere, sozusagen externe Körperwelten schneller, als wir selbst.

Machen wir doch mal einen kleinen Ausflug in das Wunderwerk unseres Körpers. Ich bediene mich jetzt der Vorstellungskraft meiner Leser und vergleiche dieses Wunderwerk mit einem Ameisenhaufen....

Der Haufen sind wir :-)))

Eine Ameise ist vergleichbar mit einer Blutzelle. Die kleinen, roten rennen rauf und runter und haben nur eine Aufgabe. Material herschaffen, Füttern,  Material abtransportieren....Fahrstuhl rauf - Rutsche runter.

Pausen??? Ja, die haben sie auch. Sie erholen sich im großzügig angelegten Wellnessbereich (Milz). Leider hat die kleine Ameise ein Problem, wenn sie den Wellnessbereich verlassen will, muss sie sich ganz zusammenknautschen, um den Ausgang passieren zu können, denn der ist wesentlich kleiner als sie.

Schafft sie es nicht, kommt die Putzerkolonne, und feudelt sie einfach auf und bringt sie zum Ausgang. Das ist alles kein Problem. Denn in der Kinderstube - im Kern des Haufens - wachsen sie geborgen und gut bewacht einfach nach.

Vermehren??? Nein vermehren können sie sich nicht. Sie sind Arbeiter, nicht mehr und nicht weniger.

Die Putzerkolonen sind groß und gefräßig und haben einen Vorteil. Einmal entstanden, können sie sich multiplizieren, je nach Aufgabenbereich. Alles was nicht funktioniert, wird weg gewischt, weg gekehrt, weg geräumt, wie auch immer. Sie sehen etwas eklig aus, sind breiig und bewegen sich auch so. Im Gegensatz zu ihren nahen Verwandten, den Soldaten. Diese sind von unterschiedlicher Farbe und stellen sich dem Feind entgegen. Eine Raupe, die sich in den Gängen verläuft, wird sofort angegriffen und vernichtet.

Dann haben wir noch die Handwerker, die Tag ein Tag aus alle tropfenden Leitungen abdichten. Bei einem Wasserrohrbruch, tun sie sich dann doch schwer und holen Hilfe. Nun kommt die Feuerwehr und spannt Netze auf, damit die Handwerker bei allem Fleiß nicht von den hohen Leitern purzeln.

So ein Ameisenstaat ist schon ganz schön groß...5.280.000 an der Zahl...im Schnitt. Nein nicht pro Haufen.....(pro Mikroliter).

Sie verirren sich nie!!!

Manchmal, aber....sterben zu viele auf einmal oder kommen zu viele auf die Welt. Es gibt auch Mutanten, die nicht lebensfähig sind. Manche sind dann doch zu klein und schwächeln schnell, andere wieder werden zu groß und nehmen wiederum anderen den Platz weg.

Ein ganz normaler Wahnsinn, der jeden Tag mehrmals passiert.

Dann rennen viele umher und suchen nach Arbeit oder nach Nahrung, die sie aber nirgends finden, weil das Ökosystem herum völlig gestört ist...zu viele Elefanten und Ameisenbären sind unterwegs;-))

Nennen wir den Elefant mal "Stress" und den Ameisenbär "Ernährung".

Elefant - Ameisenbär - Ameisen und Haufen ergeben ein filigranes und sehr zerbrechliches System. Kurze Zeit hält der Ameisenstaat es aus, wenn viele seiner Bewohner einfach aufgesaugt werden.

Auch halten sie aus, wenn der Elefant Kerben in den Haufen tritt. Sie machen sich höchst motiviert und organisiert an die Arbeit. Eine dauerhafte Störung ihrer Lebensräume lässt sie jedoch einknicken... nicht gleich.

Erst bekommt der Bau Risse, man kann sie von Außen erkennen. Die Rutsche verklumpt, keiner hält sie mehr sauber. Der Fahrstuhl klemmt. Keiner ist da, um ihn zu reparieren.

Es wird zugig und kalt in diesem Bau. Am Ende ein verlassener Ort.

Macht euren Ameisen ein schönes Weihnachtsgeschenk...vielleicht durch ein sinnvolles Kochbuch. Wem das zu anspruchsvoll ist, kann auch einfach eine Kur machen mit Salzen. Sie machen eure Ameisen stark ;-)))

Der Winter ist die beste Zeit dafür.....

Und wenn ihr merkt, wie gut euch das tut, dann gönnt sie auch euren Tieren.

Ich helfe euch gerne dabei :-)))

Und wer das Ganze noch nicht verstanden hat, der braucht eben noch einen Ameisenschnupfen, oder mehrere, bis er es verstanden hat.

Montag, 10. November 2014

Wenn die Mauern fallen

Am Wochenende erlebte ich sehr bewegende Bilder, die sich hier in Brandenburg abspielten.

Über 1 Mio Menschen trafen sich, um den Mauerfall zu feiern. Sie kamen von überall her. Der Flughafen - den ich in kurzer Zeit, rund um den Mauerfall - mehrmals anfahren musste, drohte aus allen Nähten zu platzen.

Auf der einen Seite kamen die Besucher, auf der anderen Seite wurden sie erwartet.

Es war eine mitreißende, sehr emotionale Veranstaltung. Menschenmassen wälzten sich am Wochenende entlang der "Ballonmauer". Autofahrer kamen nicht mehr durch, da Fußgänger die Straßen belagerten. Rund um das Brandenburger Tor musste großflächig abgeriegelt werden. Man kam nur noch über die zweite oder gar dritte Querstraße wieder zurück zu der Ballonmeile. Der Potsdamer Platz war komplett gesperrt. Wer ihn kennt, hat vielleicht eine Idee, wieviele Menschen sich allein an diesem Ort getummelt haben.

Die Ballons hinterließen in meinem Kopf einen bleibenden Eindruck, wie auch die friedlichen und glücklichen Menschen auf den Straßen. Es wurde einfach gefeiert....

Es sollte ein Signal für die Welt werden und ich denke, dass das auch ein Stück weit gelungen ist. Es sollte ein Appell an die Menschen werden und ihnen die Erinnerung an die Mauer wiedergeben. Auch das ist den Veranstaltern gelungen, zumindest bei denjenigen Vorort.

In Zukunft kann man diese Orte mit ihren Dauerausstellungen das ganze Jahr besuchen, wobei es hierzu auch unterdessen eine eigene App gibt.

Jeder, der sich in seiner eigenen Unzufriedenheit sult und diese zelebriert, sollte sich eine Sekunde lang überlegen, wie das wäre, wenn er hinter Mauern leben müsste. Tag ein Tag aus beobachtet von einer Diktatur, dessen Nachhaltigkeit darin bestand, seine Bürger einzusperren, sie zu gängeln, wenn sie weg wollten, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, um sie zu zermürben.

Hier in Brandenburg haben Menschen das Eingesperrt sein erleben dürfen. Das galt nicht nur für die Menschen im Osten. Es galt auch für die Westberliner.

Vielleicht und auch darum sind die Menschen hier so friedvoll und freundlich. Wenn ihnen etwas nicht passt, dann äußern sie das, schaffen es aber auch, mit ihrem Thema bei sich zu bleiben. Diesen großen erstaunlichen Effekt, spürt man sofort. Ich möchte das mal an einem Beispiel erklären, welches wir am Samstag erlebt haben:

"Carmina Burana"

Diese theatralische Chormusik, ist mit Sicherheit den meisten bekannt, oder auch begegnet. Hierzu gab es am Samstag einen vollbesetzten Berliner Dom.

Jung und Alt trafen sich zum Auftakt des Mauerfalls in dieser riesenhaften Kirche, um der Musik zu lauschen. Selbstverständlich gab es eine Ansprache und selbstverständlich wurde über die Bedeutung der Kirche seit seiner Entstehung philosophiert. Der Haken an der Geschichte war, dass es keiner verstand. Das Mikrophon funktionierte nicht.

Ein Mann vor uns, fing plötzlich an zu klatschen. Alle verstanden den Hinweis und fingen auch an zu klatschen. Immer wieder kamen die Klatschlaute aus irgendeiner anderen Ecke und immer wieder wurde gerufen:"Wir verstehen nichts!"

Die Berliner hatten richtig Spaß, keiner war irgendwie verärgert. Irgendwann verstand wohl einer von den Technikern, was los war und schaltete auf "LAUT". Sofort kam der Ausruf:"Aber nicht wieder von Vorne!", großes Gelächter. Es war faszinierend, wie das Publikum dem Sprecher ihr Bedürfnis signalisierten und sich über diese Diszanzen den Ball zu warfen.

Ja, das Publikum hatte keine Schuld und auch der Sprecher hatte keine Schuld, dass sie nichts verstanden hatten, wollten jetzt aber auch nicht alles noch einmal von Vorne hören.

Der Sprecher verstand und setzte ohne Punkt und Komma einfach seine Rede fort. Das Publikum war sofort ruhig und lehnte sich zufrieden zurück.

Die Musik kam dann wie eine Zunamiwelle über sie und das Publikum sparte am Schluss auch nicht mit Applaus.

Alle verließen den Berliner Dom mit einem breiten Grinsen und Strahlen in den Augen.

Dieses Grinsen und Strahlen begegnet einem hier öfters auf der Straße, mit freundlichen Worten wird hier nicht gespart. Alles wird mit einem Augenzwinkern be-urteilt. Verurteilen tut hier keiner den anderen.

Die Menschen hier sind offen. Sie haben es geschafft, sich von den Mauern nicht nur um sich herum, sondern auch in ihren Köpfen, zu befreien.

Das macht das Leben hier in Berlin und Brandenburg so erfrischend unkompliziert.

Mir war es jetzt einfach ein Bedürfnis von Mauern zu schreiben.

Vielleicht wird der eine oder andere über seinen eigenen "Sack Zement" nachdenken, den er vor der Haustüre liegen hat.