Mittwoch, 18. Juni 2014

Leberwerte

Jeder der gerne einen über den Durst trinkt und über 40 Jahre alt ist, wird bei einem Generalcheck schon mal mit dem Thema "Leberwerte" konfrontiert.

Man kennt diese in Form:"...sind in Ordnung...", "...zu hoch...", ganz selten "....zu niedrig...."

Voraus gegangen ist eine Blutuntersuchung, bei der die Blutwerte gemessen werden und eine Aussage gemacht werden kann, welches Organ erkrankt ist.

Unsere Leber ist besonders fleißig, sozusagen multitaskinfähig. Sie speichert, produziert, schmeißt raus. Manche besitzen eine extrem faule Leber, die einen Tucken langsamer arbeitet, als die anderen wichtigen Verdauungsorgane. Es kann aber auch passieren, dass sie zu schnell arbeitet.

In diesem Fall entsteht in Folge eine Energieumverteilung, hin zur Leber, weg von den anderen Organen. Wir fühlen uns matt, sind fahl im Gesicht, denn unser Organ "Leber" hat uns im Griff und fordert und fordert, bis sie irgendwann kollabiert und es zu einer Entzündung kommt und wir zum Arzt gehen, weil wir uns unwohl fühlen. Das Unwohlsein fühlen wir aber schon viel früher.....

Jetzt wäre eine Beruhigung der Leber angesagt. Sie muss diszipliniert werden....wir haben Stress.

Nun kennt jeder auch den Spruch "...was ist dir denn über die Leber gelaufen...", "....beleidigte Leberwurst...", etc.

Ausgegangen wird hierbei, dass die Leber zu langsam arbeitet im Verhältnis zu den anderen Organen. Die Frage ist dann nicht nur, arbeitet die Leber zu langsam, sondern auch, arbeiten die anderen Organe nicht zu schnell.

Ist die Leber zu langsam, bildet sich ein Stau in der Leber...wir werden emotional :-)))

Man kann schon bevor das Blutbild sich verändert aufgrund des Gemützustandes und der Körperhaltung auf eine Desfunktion der Leber schließen.

Ich weiß, dass extrem emotionale Pferde an der Leber behandelt werden müssen und Pferde mit extrem eingezogenen Lenden auch, bevor es zu einer Erkrankung der Leber kommt und die Tiere nicht nur abmagern, fressunlustig sind und vor allen Dingen stumpfes Fell bekommen.

Das Thema "Leberwerte" beherrscht momentan die Pferdewelt.

Woher kommt das?

Bei Anzeichen einer Verstimmung gibt es immer mehrere Zusammenhänge. Bei der Leber des Pferdes in unseren Breitengraden liegt es an dem zu fetten und zu vielem Gras, verbunden mit Körnern, die von einem Freizeitpferd fast nicht mehr umgesetzt werden können, mangels Enzyme.

Die Nahrung ist für unsere Pferde zu einer nicht zu unterschätzenden Schwierigkeit geworden.

Durch das Verfüttern von Korn, befinden sich nicht nur in Stallungen die Überreste davon. Wir finden sie überall wieder.

Überall da, wo Korn rum fährt, gibt es Mäuse. Mäuse sind Überträger von Leptospirose. Das Herumliegenlassen von Brot, offenen Futtermitteln, Koppelgang, große Herden, etc. sorgt dafür, dass sich diese Erkrankung ungehindert ausbreiten kann, denn Mäuse gibt es nicht nur im Futterspeicher.

Das Verfüttern von Korn, welches Pferde gar nicht umsetzen können, trägt zu einem Teil der unverdaubaren Masse hinzu. Im Brot befinden sich Enzyme, die nicht nur dem menschlichen Körper schaden, sondern auch dem Pferdekörper.

Somit kommt es ganz schnell zu einer Überbelastung der Leber durch Futter.

Müssen Pferde aufgrund der menschlichen Spezies mehr leisten, als es ihrem Naturell entspricht, bekommen diese Tiere Stress. Dieser Stress entsteht nicht nur durch körperliche Gewalt. Pferde verstehen oft ihren Menschen nicht. Der Versuch verbirgt Stress.

Menschen fordern zu starke Konzentration am Stück - nicht nur vom Pferd. Es wird aus meiner Betrachtungsweise zu wenig Wert darauf gelegt, dass Pferde sich nicht lange konzentrieren können, es werden in der Arbeit zu wenig Pausen gemacht....21...22...23...24...25...26....27....28...29...30....ganz schön lange, was???

...und sie dürfen unter dem Sattel zu selten entspannt laufen....ganz ohne Körperspannung. Körperspannung produziert Adrenalin...ein Stressbaustein, der dafür sorgt, den Körper in Alarmbereitschaft zu versetzen.

Dann gibt es Pferde, die langsam denken. Ich sehe nirgends Pferdeleute, die auf diese Tiere eingehen. Es ist immer derselbe Einheitsbrei von Geschwindigkeit und Ablauf. Es gibt Pferde, die viel Masse bewegen müssen und sind verzweifelt, wenn sie dem Tempo ihres Herrn nicht folgen können.

Alles zusammen, Futter, Umfeld, Charakter, Körpermasse hat eine zusätzliche Einwirkung auf Pferde und auf die Leber, die ja wiederum ihre eigene Vorstellung von Funktion besitzt.

Es macht keinen Sinn diese Tiere ausschließlich mit Medikamenten vollzustopfen. Wir sollten uns ein bisschen mehr Gedanken machen über die Gesunderhaltung des Tiers bei der Diagnose Leberwerte erhöht.

Denn auch wir haben dadurch die Chance, uns zu reflektieren und mal unsere Leber zu befragen, wie sie die Turnstunden empfindet, die sie täglich 24 Stunden leisten muss.



Donnerstag, 12. Juni 2014

Instrumentalisierung der Körpersprache

Gestern besuchte ich die Leiterin einer staatlich anerkannten Heilerschule in Berlin.

Wir führten ein ganz spannendes Gespräch über "Pferde und Pferdeleute".

Sie wurde an dem Gespräch immer interessierter und am Schluss stellte sie mir nur noch Fragen, obwohl man bei ihr im Haus Tierkommunikation und Tierhomöopathie erlernen kann.

Ich sprach mit ihr darüber, dass Fehler nicht korrigiert werden können, indem ich mein Gegenüber einfach in eine andere Schachtel stecke.

Fehlverhalten (...ist alles, was wider der Natur des Einzelnen entspricht, sprich - was auf Dauer eine krankmachende Wirkung hat), oder das was wir als Solches bezeichnen, muss zunächst erst einmal an die Oberfläche dürfen....erst reinigen....reseten, dann neu programmieren, sonst tauchen diese unterdrückten Verhaltensweisen irgendwann als Krankheit wieder auf oder als Unart.

Nun neigt der Mensch dazu, sich als Maß aller Dinge zu nehmen. Ein Tier, das sich wie ein Tier verhält, hat nichts mit unserem Anspruch an unser Gegenüber zu tun.

Mit der kontrollierten Kommunikation zu unseren Gunsten, verdrängen wir unsere eigentlichen Aufgaben, die von Freiheit geprägt sein sollten. Da beide Wesen dazu verdammt sind in großem Stiel zu verdrängen, entwickeln beide Wesen dieselben Zipperlein, bis hin zu Krankheiten.

Der Schlüssel liegt im Menschen.

Die Menschen sind nicht oder geringfügig in der Lage ein Pferd in der Bewegung zu simmulieren, stattdessen drehen sie den Spieß um und verlangen vom Pferd, ihren zweibeinigen Bewegungsablauf nachzueifern.

Pferde haben aber einen viel geschmeidigeren Bewegungsablauf, von dem wir weit entfernt sind.

Möchte ich mit einem Pferd in Kontakt treten, ahme ich zunächst seine Bewegungen nach, laufe mit ihm mit, drehe mich mit ihm, mal Vorne, mal hinten, mal bremse ich es aus und dann gehe ich auf das Tier zu und lobe es....ohne Strick ohne Gerte oder Peitsche oder Stick.

Bevor ich diese Bewegungen beherrsche, benötige ich zwei Dinge: Kondition und einen beweglichen Körper, Beobachtungsgabe und Intuition.

Pech für den, der es mit einer Reithalle mit den Maßen 20x40m zu tun bekommt.

Selbst wenn der Raum kleiner ist und zumindest dem Pferd bewußt ist, dass es sich sowieso nicht entziehen kann (Roundpen 17m), benötigt der Mensch zum Ausdruck seiner Körpersprache Leine und Stock. Er instrumentalisiert seine Körpersprache und muss sich somit nicht wirklich bewegen.

Schade eigentlich, denn das Pferd hätte sicher mehr Spaß, wenn es nicht so unter Zwang gesetzt werden würde und der Mensch hätte die Möglichkeit, etwas für seine Gesundheit zu tun.

Wenden wir die Körpersprache des Pferdes an, wird es uns sofort verstehen, da es die Sprache ist, die es spricht. Machen wir Fehler, kann das Pferd uns ausweichen und genau in diesem Moment begreifen wir auch, dass der Fehler bei uns lag und nicht beim Pferd....wir sind der Fehler, nicht das Pferd.

Wenn ich mir so das Treiben anschaue, verpassen die meisten Pferdeleute die Chance etwas über sich zu erfahren, wenn sie mit Leine und Peitsche arbeiten. Sie sehen oft aus, als könnten sie nicht tanzen, besser gesagt locker tanzen, egal zu welcher Musik.

Leine und Peitsche sagt etwas über den Menschen aus. Seine Art zu kommunizieren sagt etwas über den Menschen aus, denn er benötigt Werkzeuge, angelernte Werkzeuge.

Warum lassen nicht einmal alle ihre Werkzeuge einfach weg und versuchen es ohne?

Es ist ein befreiendes Gefühl, es macht uns frei von unseren eigenen Zwängen, es ist eine Chance für uns Zweibeiner, für unseren Geist und unseren Körper.

Und mal ehrlich, glaubt ihr tatsächlich, dass eurem Gegenüber die Kommunikation Spaß bereitet, wenn ihr ihm dauernd vor und hinter der Nase herumfuchtelt......

....mein Mann würde sagen:"Leg erst mal den ganzen Scheiß weg, wenn du mit mir sprichst!"